Der Ruf der Erde

Der Ruf der Erde Der Ruf der Erde. Alte Eibe in Asturien.

Das nordspanische Asturien gehört zu den letzten Refugien vieler bedrohter Arten: 
Bären, Wölfe und keltische WildpferdeWale, Delfine, Meeresschildkröten und Riesenkalmare; Urwälder und uralte Eiben; Arten, die nur hier vorkommen, wie der kantabrische Auerhahn.

 

Die Rückzugsgebiete für all diese Wunder des Lebens sind jedoch zunehmend in Gefahr. Das Überleben der bedrohten Tier- und Pflanzenarten in Asturien hängt auch von weltweiten Entwicklungen ab – das globale Artensterben ist in Asturien bereits deutlich spürbar.

 

Im Mai 2019 veröffentlichte der Weltrat für Biologische Vielfalt den bisher umfassendsten Bericht über das globale Sterben. Demnach stehen wir unmittelbar vor einer extremen Beschleunigung des Artensterbens.

 

1.000.000 Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Der UN-Bericht ist ein leidenschaftlicher Appell mit Handlungsoptionen, um das Sterben der Erdlinge endlich zu beenden.

 

Wir befinden uns inmitten des sechsten großen Massenaussterbens unseres Planeten, verursacht durch einige Trockennasenprimaten, die sich selbst „Homo sapiens“ (lat.: weiser, kluger Mensch) nennen.

Wir wissen es spätestens seit dem Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit aus dem Jahre 1972: Ohne sofortige wirksame Maßnahmen droht eine planetare Katastrophe. Doch zu einer Trendwende kam es nicht. Die Plünderung des Planeten nahm danach erst so richtig Fahrt auf. Seit dem Jahr 1971 nimmt sich ein Teil der Menschheit mehr von der Erde, als diese erneuern kann. Der „Weltüberlastungstag“ war damals der 21. Dezember. Heute sind bereits im Juli eines Jahres die erneuerbaren Kapazitäten unseres Planeten erschöpft. In Deutschland ist der Weltüberlastungstag Anfang Mai. Wenn alle Menschen einen so ressourcenfressenden Lebensstil führen würden wie durchschnittlich in Deutschland, dann bräuchten wir drei Erden

 

Climate Emergency (Klimanotstand)

Einer der wichtigsten messbaren Anzeiger der Climate Emergency ist die Entwicklung der CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre, die in der sog. Keeling-Kurve seit den 1950er Jahren gemessen wird. Charles Keeling hatte 1958 nachgewiesen, dass die CO2-Konzentration durch Änderung der Landnutzung und die Verbrennung fossiler Brennstoffe ansteigt. Im Jahre 2019 hat die CO2-Konzentration u.a. an der Mauna Loa Messstation 415 ppm überschritten. Das ist der höchste Wert seit Anbeginn der Menschheit:

Der Weltrat für Biologische Vielfalt hebt hervor, dass die Klimakrise das Aussterben der Arten noch weiter beschleunigen wird. Kohle, Öl und Gas müssen im Boden bleiben! Doch das Gegenteil geschieht. In den nächsten Jahren soll die Plünderung fossiler Ressourcen fortgesetzt werden.

Fracking-Öl und Fracking-Gas drängen auf den Weltmarkt.

 

Die Region Gijón / Avilés in Asturien leidet unter der Luftverschmutzung durch Schwerindustrie und der Nutzung von Kohle. Das Kohlekraftwerk Aboño am Hafen von Gijón gehört zu den größten CO2-Emittenten Europas. Dort befindet sich auch eine riesige Kohle-Lagerstätte für Importkohle. Kohlestaubstürme belasten die Umgebung. In Asturien beträgt die CO2-Emission pro Kopf und Jahr rund 25 Tonnen (2017). Das ist 3,4-mal mehr als im Rest des Landes. Kohlekraftwerke und Waldbrände tragen dazu wesentlich bei.

Täglich können wir mitverfolgen, wie die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre rasant ansteigt. Klimaforscher Kevin Anderson spricht Klartext: "Unser Ausstoß an Kohlendioxid muss auf null gesenkt werden, das ist die bittere Wahrheit." Er macht darauf aufmerksam, dass die Hälfte der CO2-Emissionen durch den Lebensstil der reichsten 10% der Menschen verursacht wird. 

 

Maßnahmen, die darauf abzielen, CO2 teurer zu machen, sind Ablenkungsmanöver, solange Kohle, Öl und Gas weiter aus dem Boden geholt werden. Für Reiche bleibt im Grunde alles gleich. Sie bezahlen etwas mehr und können dafür ihren Lebensstil noch eine Zeitlang beibehalten. Es führt kein Weg daran vorbei, bei den Ursachen anzusetzen: Kohle, Öl und Gas müssen im Boden bleiben und die Nutzung von Boden und Meeren muss sich drastisch verändern.

 

Das verbleibende CO2-Budget ist begrenzt und verringert sich täglich. Selbst die optimistischen Projektionen des Weltklimarats setzen weitreichende Systemübergänge voraus, die „beispiellos bezüglich ihres Ausmaßes“ sind und für die es „kein dokumentiertes historisches Vorbild im Hinblick auf ihre Größenordnung“ gibt.

 

Seit den 1970er Jahren gab es einige historische Situationen, in denen eine Umkehr möglich erschien. Die Durchsetzung kurzsichtiger Interessen der Profiteure einer finalen Plünderung des Planeten hat eine Umkehr verhindert. Jetzt hat das globale Versagen Auswirkungen von erdgeschichtlichem Ausmaß. Doch es ist niemals zu spät, die Lage nicht noch schlimmer zu machen.
Vgl. Losing Earth, Nathaniel Rich, 2019:

Das Sterben der Erdlinge

Die Erde und ihre Lebensvielfalt wurden in nur wenigen Jahrzehnten mehr geschädigt als jemals zuvor. Seit 1970 sind die im Living Planet Index erfassten Wildtierbestände um zwei Drittel zurückgegangen. Viele der Wildtiere sind vom Aussterben bedroht.

In der WWF-Dokumentation „Unser Planet“ (2019) werden einige der bisher noch überlebenden Wildtiere vorgestellt. Ein Beispiel ist die pazifische Population der Walrosse. Die Robbenart ist auf ausgedehnte Eisflächen angewiesen. Das Eis schmilzt und die meisten der pazifischen Walrosse suchen auf einer kleinen Felseninsel Zuflucht. Mit einer ungeheuren Kraftanstrengung schleppen einige von Ihnen ihre mächtigen Leiber, die bis über 1.200kg schwer sind, einen steilen Hang hinauf. Mit ihren großen Stoßzähnen ziehen sie sich mühsam aufwärts bis zu einer Klippe, wo sie sich ein letztes Mal ausruhen. Dann stürzen sich diese riesigen Wunder des atmenden Lebens die steile Klippe hinunter. Hunderte Leiber sterben qualvoll an ihren inneren Verletzungen. In den letzten Jahren wiederholt sich dieses kollektive Sterben immer wieder aufs Neue. Das Eis schmilzt weiter.

Das globale Sterben geht mit einer rasanten Geschwindigkeit vor sich. Bei den grundlegend bedeutsamen Fluginsekten ist in deutschen Naturschutzgebieten ein Rückgang von über 75% innerhalb von 27 Jahren festgestellt worden. Ähnlich drastische Rückgänge werden aus allen Teilen der Welt gemeldet. Weltweit sind mehr als 40% aller heute noch lebenden Insektenarten vom Aussterben bedroht.

Mehr als 85% aller ökologisch so überaus bedeutsamen Feuchtgebiete wurden bereits vernichtet. Auch mehr als die Hälfte aller Naturwälder sind bereits verloren. Allein zwischen 1990 und 2015 wurden 239 Millionen Hektar Naturwald komplett vernichtet und 185 Millionen Hektar Naturwald stark geschädigt. Die für den Planeten so grundlegend wichtigen uralten Bäume und Wälder wurden fast komplett vernichtet. (WWF Waldbericht 2018)

 

Beispiele dafür gibt es überall auf unserem Planeten. Die Vernichtung der Wälder Asturiens auch dank EU-Subventionen oder das Schicksal der Mangrovenwälder in Kambodscha gehören dazu.

Der Einbruch vieler Tierpopulationen und die Vernichtung der Naturwälder gehen einher mit einem weiteren Anstieg der Weltbevölkerung. Allein in einer einzigen Lebensspanne hat sich die Anzahl der Menschen von 3 Milliarden im Jahre 1960 auf bald 9 Milliarden verdreifacht. Gerade in reichen Regionen der Erde, in denen der Ressourcenverbrauch unvereinbar ist mit der Tragfähigkeit der Erde, werden weiter Programme zur Steigerung der Geburtenzahl durchgeführt – bei gleichzeitiger Beschränkung der Zuwanderung und der Abwehr von Flüchtlingen. Vor der „Festung Europa“ wurde das Mittelmeer zu einem apokalyptischen Massengrab (Sea-Watch.org).


Die Erde könnte 12 Milliarden Menschen ernähren. Doch dazu müsste die Plünderung des Planeten und die Zerstörung der Lebensgrundlagen gestoppt und die exzessive Lebensweise eines Teils der Menschen beendet werden.

Globale Bewegungen für das Leben

Hoffnungsvoll ist, dass immer mehr Menschen für Veränderungen offen sind und sich für das Leben auf unserem Planeten engagieren. Darunter viele junge Menschen wie Greta Thunberg (FB). Weltweit haben sich ihr tausende junge Menschen angeschlossen und demonstrieren unter dem Motto Fridays For Future, zum Beispiel in Asturien. Dies ist eine globale Bewegung - wie auch Fossil FreeExtinction Rebellion (auch in Asturien). Hinzu kommen tausende von Initiativen auf regionaler und lokaler Ebene, z.B. die Waldschützenden im Hambacher Wald (FB-Notiz) oder das Engagement für naturnahe urbane Räume wie im Stadtgarten Bad Honnef (FB-Notiz) oder die Initiativen rund um den Monte Sueve in Asturien: Der Ruf des Sueve und Antworten auf den Ruf.

An globalen Abkommen, nationalen, regionalen und lokalen Absichtserklärungen fehlt es nicht. Doch das Beharrungsvermögen von Leben vernichtenden Strukturen und Systemen mit ihren Verantwortlichen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Finanzmafia und organisierter Kriminalität scheint ungebrochen - und viele Lämmer schweigen weiterhin (NachdenkVideos).

 

Profitmaximierung und Wachstum durch Plünderung des Planeten sind abgesichert durch Kriege und Militarisierung. „Die Welt ist im Krieg“, stellt Papst Franziskus fest. Es sei ein „Weltkrieg in Stücken“, ein „Krieg der Interessen, für Geld, Naturressourcen und die Herrschaft über Völker.“ Papst Franziskus äußert sich deutlich gegen die Kriege zur Plünderung des Planeten, zur Profitsteigerung und zur Durchsetzung machtpolitischer Interessen. Die „Interessen des vergötterten Marktes“ und der Ressourcenraub führen zu immer neuen Kriegen, „die als eine Geltendmachung edler Ansprüche getarnt werden“, schreibt Papst Franziskus in seiner ENZYKLIKA LAUDATO SI’. 

 

Der hervorquellende Mammonismus durchdringt scheinbar alternativlos Individuum und Gesellschaft. Der Messias inkarniert in Marken und Märkten, durchdrungen von der allumfassenden Macht und dem Heilsversprechen der Immermehrgötter. Eine zunehmend kranke Welt mit zunehmend kranken Menschen ist die Folge und die Götter lachen sich krumm(Vgl. Priscillians Vermächtnis, S.214ff, S.300f u. S.323-336)

Der Ruf der Erde: Alles ist EINS!

Wir leben in einer Zeit mit epochalen Umbrüchen, deren Zeugen und Protagonisten wir heute sind. Noch verhalten wir uns oft wie Schlafwandler, die in einem kollektiven Alptraum gefangen sind. Wir vernichten unsere Lebensgrundlagen und zerstören die Lebensräume anderer Erdbewohner. Kommt es noch rechtzeitig zu einem Erwachen aus dem Alptraum? Hören wir den Weckruf? Hören wir den Ruf der Erde? 


Die tieferliegenden Gründe für den Zustand der Welt haben zu tun mit unseren Denkgewohnheiten und unseren verinnerlichten Werten, die heute in einer Vielzahl oft gegensätzlich erscheinender Formen aufeinanderprallen. Diese Denkweisen und Wertehorizonte bestimmen, was wir wahrnehmen und wie wir es interpretieren. Sie bilden die Grundlage für unsere Antwort auf die Frage, wer oder was wir sind. Eine Gemeinsamkeit vieler Antworten auf diese Frage ist der Glaube an die Getrenntheit voneinander. Wir denken, wir seien getrennt von anderen Menschen, Tieren, Pflanzen und Wesen, wir seien getrennt von der Erde und von dem allumfassenden Urgrund allen Seins.


Diese Ansicht ist naheliegend, denn unser Identitätsempfinden beschränkt sich gemeinhin auf unseren Körper und zuweilen auf die uns unmittelbar zugesellten Menschen. Die Alltagsprobleme dieser kleinen ichbasierten Welt übersteigen oft schon unsere Kräfte. Unmöglich, den Blick auf die Erde als Ganzes zu richten, zu groß scheinen die weltweiten Probleme zu sein und der Beitrag des Einzelnen zu unbedeutend, als dass er einen Unterschied machen könnte. Doch da ändert sich etwas. Viele Menschen beginnen damit, sich der Verbundenheit und der Einheit allen Lebens bewusst zu werden. Alles ist EINS!

Das globale Sterben kann nicht gestoppt werden, wenn wir in dem Denken verhaftet bleiben, das die Katastrophe verursacht hat. Vielleicht können die Krisen unserer Zeit dazu beitragen, dass sich Menschen öffnen für den Ruf der Erde in uns. Vielleicht kann die zeitlos anmutende Poesie von Rainer Maria Rilke ein klein wenig dazu beisteuern, neue Perspektiven einzunehmen.

 

Das Gewahren in wachsenden Ringen, wie ein großer Gesang, ist Aufgang, nicht Untergang, Aufgang in plötzlich entatmete Himmel zum Flug durch die Zeit. Jeder Augenblick ist ein unendliches Wunder. Es gibt so wunderweiße Nächte, da schimmert mancher Stern so lind, mit dichtem Diamantenstaube. Ein Wind durchs Herz dir weht, nur ein Lächeln lang, um dich an alles Leben zu verschenken. Träume, die in Tiefen wallen, aus dem Dunkel, lass sie los. In die Liebenden reichen die Zeichen, weil sie, in Träumen voll Teichen, Blume spiegeln und Stein. 
Was bin ich unter diese Unendlichkeit gelegt.

 

Der Ruf der Erde: Ein Weckruf

Stellen wir uns die gegenwärtige Situation der Erde und ihrer Erdlinge als eine Geburt vor, die Geburt einer neuen Identität, eine neue Antwort auf die Frage, wer oder was wir eigentlich in unserer Essenz sind. Die Schmerzen der Geburt können vermindert werden und wir können schon allein durch die Achtsamkeit für unsere Atmung unsere Aufmerksamkeit für das, was in diesem Moment geschieht, erhöhen. Unser Atem ist der Atem des Lebens, der Atem der lebendigen Erde. Befreit von Angst und inspiriert von der allumfassenden Liebe hören wir dann den Ruf der Erde in unserem Herzen. 


Es ist der Ruf aufzuwachen und der Weisheit der Erde zu lauschen, angesichts der Plünderung des Planeten und dem globalen Sterben der Erdlinge. An vielen Orten des Planeten hören Menschen diesen Ruf. Sie antworten darauf auf ihre jeweils eigene Weise. Darunter befinden sich auch eher der Stille und Kontemplation zugeneigte WeisheitslehrerInnen, die jetzt ihre Stimme erheben. Sie verlassen die Einsamkeit und Abgeschiedenheit ihrer Klöster. In ihren Meditationen sehen sie gleichgerichtete Botschaften, die aus der Tiefe ihres Seins emporsteigen und die sich zu einem einzigen Aufschrei bündeln, ein Urschrei der Erde ertönt durch alles Leben. Er lässt die Erde erbeben, ein geistiges Beben, das selbst die bislang in sich gekehrten MystikerInnen der verschiedensten Traditionen veranlasst, zum sofortigen Handeln aufzurufen:

Hört den Ruf der Erde und antwortet jetzt darauf!

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