Der Ruf der Erde

Der Ruf der Erde Der Ruf der Erde. Alte Eibe in Asturien.

Das nordspanische Asturien gehört zu den letzten Refugien vieler bedrohter Arten: 
Bären, Wölfe und keltische WildpferdeWale, Delfine, Meeresschildkröten und Riesenkalmare; Urwälder und uralte Eiben; Arten, die nur hier vorkommen, wie der kantabrische Auerhahn.

 

Die Rückzugsgebiete für all diese Wunder des Lebens sind jedoch zunehmend in Gefahr. Das Überleben der bedrohten Tier- und Pflanzenarten in Asturien hängt auch von weltweiten Entwicklungen ab – das globale Artensterben ist in Asturien bereits deutlich spürbar.

 

2019 veröffentlichte der Weltrat für Biologische Vielfalt (ipbes) den bisher umfassendsten Bericht über das globale Sterben (Auszüge dt.). 1.000.000 Tier- und Pflanzenarten sind jetzt vom Aussterben bedroht. 

 

Wir befinden uns inmitten des sechsten großen Massenaussterbens unseres Planeten, verursacht durch einige der Trockennasenprimaten, die sich selbst „Homo sapiens“ (lat.: weiser, kluger Mensch) nennen. Der Weltrat für Biologische Vielfalt weist darauf hin, dass das Aussterberisiko in den letzten 40 Jahren noch einmal rasant zugenommen hat. Wir verursachen gerade die größte Erdkatastrophe seit dem Zusammenstoß der Erde mit einem Asteroiden vor 65 Millionen Jahren. 

 

Naturzerstörung als Klimaschutz?

Solange sich der erdplündernde Lebensstil einer Minderheit der Menschheit nicht grundlegend ändert, gibt es keine Hoffnung auf den Fortbestand der Lebensvielfalt unseres Planeten. Durch die Verengung auf das Thema "Klimaschutz" wird davon oft abgelenkt. Die aktuelle Debatte um die Klimakrise wird dazu missbraucht, vorrangig technologische Lösungen mit hohem Profitpotential durchzusetzen. Dennoch: Der Zusammenhang zwischen Klimaveränderungen und dem Aussterben der Arten ist real. 

 

Zu den wichtigsten Indikatoren der Klimakrise gehört die Entwicklung der CO₂-Konzentration in der Erdatmosphäre, die in der sog. Keeling-Kurve (Wiki) seit 1958 gemessen wird. Charles Keeling hat nachgewiesen, dass die Konzentration durch Änderung der Landnutzung und die Verbrennung fossiler Brennstoffe ansteigt. Im April 2021 hat der Tageswert der CO₂-Konzentration an der Mauna Loa Messstation erstmals 420ppm überschritten.

Der Zusammenhang zwischen CO₂-Konzentration und globalem Temperaturanstieg ist komplex und keineswegs monokausal. Über die Jahrtausende betrachtet sind natürliche Klimaschwankungen wirksam. Doch die drastische Reduzierung der Verbrennung fossiler Brennstoffe ist aus vielerlei Gründen seit langem überfällig. Kriege um Öl und Gas wären weniger lukrativ. Ölkatastrophen könnten verhindert werden. Rußwolken, Kohlestaubstürme und Luftverpestung durch diese Verbrennung könnten ein Ende haben. Auf das Ausbaggern gigantischer Löcher und die Zerstörung von Dörfern wie im Braunkohletagebau zwischen Köln und Aachen könnte ganz verzichtet werden. Ein aus meiner Sicht wichtiger Grund wäre der Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt unseres Planeten.

 

Auch nach den Projektionen des Weltklimarats muss der Verbrauch fossiler Brennstoffe drastisch gesenkt werden. Doch die fossilen Brennstoffproduzenten werden weiterhin hoch subventioniert und die Handelswege für den ungehinderten Transport fossiler Brennstoffe werden mit militärischen Mitteln abgesichert. 

 

Während der Plandemie 2020 hatte die Erde anscheinend eine kurze Verschnaufpause. Doch schneller als je zuvor wurden Billionen für die Reanimation fossiler Industrien und für ein ressourcenfressendes Wachstum bereitgestellt. In der Schockstarre 2020/21 präsentierten sich die Hauptverursacher der Zerstörung planetarer Lebensvielfalt als Retter und begannen ihren systemischen "Great Reset" zur Machterhaltung und zur Festigung der globalen Elitenherrschaft. Das Ende von Grundrechten und Demokratie wird nun mit angeblichem Gesundheits- und Klimaschutz begründet und die Plünderung des Planeten wird nun vielfach dreist als Klimaschutz verkauft. 

In Asturien gilt die großflächige Naturzerstörung durch die Förderung der Baum-Plantagen-Industrie als Klimaschutz. Auch die industrielle Verbrennung von Holz und das Abkratzen des Waldbodens zur Verwertung von Totholz in der Pelletindustrie sollen angeblich dem Klimaschutz dienen.

EU-Subventionen schwemmen Geld ins Land, sobald das Etikett Klimaschutz vergeben wird.

 

Schon bald könnte auch in Gijón eine Regasifizierungs-Anlage genehmigt werden, obwohl diese Anlage 2013 für illegal erklärt wurde, was 2016 in letzter Instanz bestätigt wurde. Dennoch: Das Gas-Terminal Gijón soll nun zu einem strategischen Zentrum im europäischen Gasmarkt ausgebaut werden. Gas ist jetzt Klimaschutz.

 

Die Region Gijón leidet unter der hohen Luftverschmutzung (Plataforma Xixón 1, 2). Das Kohlekraftwerk Aboño am Hafen von Gijón gehört zu den größten Emittenten Europas. Dort befindet sich auch eine riesige Kohle-Lagerstätte auf 1.236.000m2, die schon bald noch weiter ausgebaut werden soll. Im Jahr der Lockdowns 2020 sind die Kohleumschläge um mehr als 1 Million Tonnen angestiegen. Kohlestaubstürme belasten die Umgebung. Die Strände in Gijón sind zeitweise hoch belastet (Video). In Asturien lag die CO₂-Emission im Jahr 2020 mit 19 Tonnen pro Kopf und 0,85 Tonnen für jede 1.000 Euro Wirtschaftsleistung (BIP) weit über dem Rest des Landes.

 

Gijón (2 Grad und 4 Grad Szenario) gehört zu den Küstenstädten, die besonders hart von der Klimakrise betroffen sind, ebenso Villaviciosa, Avilés und Navia.

 

El lado oscuro del carbón en Asturias:

Globales Versagen von erdgeschichtlichem Ausmaß

In den 1960er Jahren wurde der Zusammenhang zwischen der Verbrennung fossiler Brennstoffe, dem CO₂-Anstieg in der Atmosphäre und dem Temperatur-Anstieg einem breiten Publikum bekannt. Der Astrophysiker Heinz Haber erreichte damals mit populären Radio- und Fernsehsendungen ein Millionenpublikum. In einem Begleitbuch zu diesen Sendungen präsentierte er den Zusammenhang mit einer anschaulichen Grafik für den Zeitraum 1860 bis 1960. Die dort gezeigten Trends gelten bis heute. (Vgl. Heinz Haber: Unser blauer Planet, Stuttgart, 1965, S.118)

 

Ohne Gegenmaßnahmen werden im 21. Jahrhundert „unvermeidlich irreversible Folgen globalen Ausmaßes eintreten“, warnten Klimaforscher 1971. Auch die Botschaft der Weltklimakonferenz im Jahre 1979 war deutlich: Fossile Brennstoffe und die Vernichtung von Wäldern werden „zu einem massiven Anstieg der atmosphärischen CO₂-Konzentration führen“. Auch der Charney Report von 1979 zu den Klimawirkungen durch CO₂-Emissionen wurde inzwischen vielfach bestätigt

 

In dem Bericht "Global 2000 - Global Future Time to Act" aus dem Jahre 1981 (S.137-139) wurde vor den Auswirkungen der Verbrennung fossiler Brennstoffe erneut eindringlich gewarnt. Der Temperaturanstieg im 21. Jahrhundert habe weitreichende globale Erschütterungen zur Folge. Die Festlegung eines Höchstwertes für die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre und ein internationaler Aktionsplan wurden auch in diesem Bericht dringend empfohlen.

 

Ein Aufruf der Deutschen Physikalischen Gesellschaft aus dem Jahre 1985 forderte ebenfalls zum sofortigen Handeln auf und zeigte Wege für eine Beschränkung der drohenden Klimakatastrophe auf. In den 1980er Jahren schien ein gemeinsames internationales Handeln greifbar nahe zu sein. Doch die Durchsetzung kurzsichtiger Interessen hat eine Umkehr verhindert. Jetzt hat das globale Versagen Auswirkungen von erdgeschichtlichem Ausmaß erreicht.

Nach dem Übereinkommen von Paris (2015) keimte kurzzeitig Hoffnung auf, doch die Plünderung des Planeten wurde seitdem fortgesetzt. Die Auswirkungen der Erderwärmung von 1 Grad sind heute deutlich spürbar und das 1,5-Grad-Ziel ist bereits außer Reichweite. Selbst für den Versuch einer Begrenzung der Erderwärmung auf 2 Grad bis zum Ende des 21. Jahrhunderts sind bisher keine ausreichenden Maßnahmen eingeleitet worden. Die absehbaren Auswirkungen der Erderwärmung auf 1,5 Grad und auf 2 Grad wurden in einem Bericht des IPCC dargestellt. Und es könnte noch schlimmer kommen: Mit der Verbrennung fossiler Brennstoffe steigt das Risiko für das Überschreiten von gleich mehreren Kipp-Punkten und deren kaum vorhersagbaren Wechselwirkungen. 

 

Es führt kein Weg daran vorbei: Kohle, Öl und Gas müssen im Boden bleiben! 

 

Das Sterben der Erdlinge

Wir wissen es spätestens seit dem Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit aus dem Jahre 1972: Ohne sofortige wirksame Maßnahmen droht eine planetare Katastrophe. Doch zu einer Trendwende kam es nicht. Die Plünderung des Planeten nahm danach erst so richtig Fahrt auf.

 

Seit dem Jahr 1971 nimmt sich ein Teil der Menschheit mehr von der Erde, als diese erneuern kann. Wenn alle Menschen einen so ressourcenfressenden Lebensstil führen würden wie durchschnittlich in Deutschland, dann bräuchten wir drei Erden

 

Die Erde und ihre Lebensvielfalt wurden in nur wenigen Jahrzehnten mehr geschädigt als jemals zuvor. Seit 1970 sind die im Living Planet Index erfassten Wildtierbestände um mehr als zwei Drittel zurückgegangen. Viele der Wildtiere sind vom Aussterben bedroht.

In den Dokumentationen Our Planet und 7 Kontinente (Antarktika, Asien, Süd- und Nordamerika, Australien, Europa, AfrikaMaking-of) werden einige der bisher noch überlebenden Wildtiere vorgestellt. Ein Beispiel ist die pazifische Population der Walrosse. Sie sind auf Eisflächen angewiesen. Das Eis schmilzt und die meisten der pazifischen Walrosse suchen auf einer kleinen Felseninsel Zuflucht. Mit einer ungeheuren Kraftanstrengung schleppen einige von ihnen ihre mächtigen Leiber einen steilen Hang hinauf. Mit ihren großen Stoßzähnen ziehen sie sich mühsam aufwärts bis zu einer Klippe, wo sie sich ein letztes Mal ausruhen. Dann stürzen sich diese riesigen Wunder des atmenden Lebens die steile Klippe hinunter. Hunderte Leiber sterben qualvoll an ihren inneren Verletzungen. Das Eis schmilzt weiter.

Behind the scenes I und Behind the scenes II

Das globale Sterben geht mit einer rasanten Geschwindigkeit vor sich. Bei den grundlegend bedeutsamen Fluginsekten ist in deutschen Naturschutzgebieten ein Rückgang von über 75% innerhalb von 27 Jahren festgestellt worden. Weltweit sind mehr als 40% aller heute noch lebenden Insektenarten vom Aussterben bedroht. Von den Amphibienarten sind ebenfalls mehr als 40% vom Aussterben bedroht (ipbes). Amphibien leben seit 360 Millionen Jahren auf der Erde und sind Anzeiger für den Zustand der Ökosysteme unseres Planeten.

Mehr als 85% aller ökologisch so überaus bedeutsamen Feuchtgebiete wurden bereits vernichtet (ipbes). Auch mehr als die Hälfte aller Naturwälder sind bereits verloren. Allein zwischen 1990 und 2015 wurden 239 Millionen Hektar Naturwald komplett vernichtet und 185 Millionen Hektar Naturwald stark geschädigt. Die für den Planeten so grundlegend wichtigen uralten Bäume und Wälder wurden fast komplett vernichtet. (WWF Waldbericht 2018)

 

Die große Mehrheit der Landtiere lebt in Wäldern und Wälder sind auf die Waldbewohner angewiesen. Ohne sie sterben die Wälder noch schneller und ihre Fähigkeit der Aufnahme von Kohlenstoff nimmt ab. Das Wunder der faszinierenden Lebensvielfalt in den Wäldern unseres Planeten wird immer mehr zu einer fernen Erinnerung. Seit 1970 sind die weltweiten Tierbestände in Wäldern durchschnittlich um mehr als die Hälfte zurückgegangen. (WWF-Waldbericht 2019)

Der Einbruch vieler Tierpopulationen und die Vernichtung der Naturwälder gehen einher mit einem weiteren Anstieg der Weltbevölkerung. Allein in einer einzigen Lebensspanne verdreifacht sich die Anzahl der Menschen von 3 Milliarden im Jahre 1960 auf bald 9 Milliarden. Gerade in reichen Regionen der Erde, in denen der Ressourcenverbrauch unvereinbar ist mit der Tragfähigkeit unseres Planeten, werden weiter Programme zur Steigerung der Geburtenzahl durchgeführt – bei gleichzeitiger Beschränkung der Zuwanderung und der Abwehr von Flüchtlingen. Vor der „Festung Europa“ wurde das Mittelmeer zu einem apokalyptischen Massengrab (Sea-Watch.org und Pia Klemp, Kapitänin).


Die Erde könnte 12 Milliarden Menschen ernähren. Doch dazu müsste die Plünderung des Planeten und die Zerstörung der Lebensgrundlagen gestoppt und die exzessive Lebensweise eines Teils der Menschen beendet werden. Weltweit landet etwa ein Drittel der Lebensmittel im Müll. Unzählige Tiere werden dafür in der Massentierhaltung gequält, riesige landwirtschaftliche Flächen werden dafür industriell genutzt sowie Millionen Kubikmeter Wasser verbraucht, alles nur, um im Müll zu landen. (Umweltbundesamt)

 

Gleichzeitig leiden mehr als zwei Milliarden Menschen an Ernährungsunsicherheit und sind gezwungen, regelmäßig Mahlzeiten auszulassen. Die Zahl der chronisch hungernden Menschen steigt an. Hungerspekulation und Landraub versprechen Milliardenprofite. Vgl. dazu das Buch von Jean Ziegler:  Wir lassen sie verhungern.“ (Rezension)

Globale Bewegungen für das Leben und der Mammonismus

Dank eines ausbalancierten planetaren Zusammenspiels, dank fruchtbarer Erde, Wäldern und sauberem Wasser in Flüssen, Seen und Ozeanen hat sich das Wunder des Lebens auf unserem Planeten entfaltet und Menschen hervorgebracht, denen jetzt die Entscheidung über die Zukunft des Lebens anvertraut ist. Es geht um die Erhaltung der Lebensgrundlagen. Es geht um die hauchdünne Luftschicht unseres Planeten, in der atmendes Leben möglich ist.

 

Hoffnungsvoll ist, dass sich immer mehr Menschen für das Leben auf unserem Planeten engagieren. Darunter viele junge Menschen wie Greta Thunberg, auch wenn sie, wie zu erwarten war, sehr schnell von den Hauptverantwortlichen der Erdzerstörung instrumentalisiert und missbraucht wurde. Dennoch: Weltweit demonstrierten Menschen unter dem Motto Fridays for Future, zum Beispiel in AsturienFridays for Future ist eine globale Bewegung - wie auch Extinction Rebellion (auch in Asturien). Hinzu kommen tausende von Initiativen auf globaler, regionaler und lokaler Ebene.

 

Leider sind die globalen Bewegungen für das Leben z.T. so schnell aufgesogen worden wie sie entstanden sind. Die Superreichen dieser Welt haben das Thema an sich gerissen und verkaufen nun ihre Erdplünderung als Rettung. Seit die Hauptverursacher der Erdkatastrophe sich als Retter positionieren und die selbst ernannte Weltelite aus Milliardären, WEF, Europäische Union u.a. die neuen Bewegungen gekapert haben, scheint die Hoffnung fast wieder erloschen. 1, 2

Eine Glut wartet auf den Hauch, der das Feuer der Hoffnung neu entfacht.

 

Die Zeit zum Handeln ist jetzt. Es ist niemals zu spät, die Lage nicht noch schlimmer zu machen!

An globalen Abkommen, nationalen und lokalen Absichtserklärungen fehlt es kaum. Doch das Beharrungsvermögen von Leben vernichtenden Strukturen und Systemen mit ihren Verantwortlichen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Finanzen scheint ungebrochen. Interessengeleitete Multi-Milliardäre erhalten zunehmenden Einfluss und die Erhaltung der erdschädigenden Lebensweise der Habenden steht weiterhin über allem. 

 

Profitmaximierung und Wachstum durch Plünderung des Planeten sind abgesichert durch Kriege und Militarisierung. Krieg und Militär sind nicht nur todbringend, sondern auch extrem umwelt- und klimaschädlich. Zu den größten CO₂-Emittenten der Welt gehört das US-Militär (vgl. Ramstein, Büchel). Allein das US-Militär emittiert mehr Treibhausgase als 140 Staaten. Die Stationierung neuartiger Atombomben in Europa und die Entscheidung, 2% des BIP der NATO-Staaten für Krieg und Militär auszugeben, lässt wenig Raum zur Hoffnung. Die Atomkriegsuhr zeigt 100 Sekunden vor 12.

 

„Die Welt ist im Krieg“, stellt Papst Franziskus fest. Es sei ein „Weltkrieg in Stücken“, ein „Krieg der Interessen, für Geld, Naturressourcen und die Herrschaft über Völker.“ Der Papst äußert sich deutlich gegen die Kriege zur Plünderung des Planeten, zur Profitsteigerung und zur Durchsetzung machtpolitischer Interessen. Die „Interessen des vergötterten Marktes“ und der Ressourcenraub führen zu immer neuen Kriegen, „die als eine Geltendmachung edler Ansprüche getarnt werden“, schreibt Papst Franziskus in seiner ENZYKLIKA LAUDATO SI’.

 

Nehmen wir uns zu Herzen, was Mercedes Sosa in ihrem Lied Solo le pido a Dios erfleht: „Nur das Eine erbitte ich von Gott, dass das Leiden mich nicht gleichgültig lasse, dass der bleiche Tod mich nicht allein und leer finde, ohne dass ich getan habe, was notwendig war auf dieser Erde.“

 

Der global wuchernde Mammonismus durchdringt scheinbar alternativlos Individuum und Gesellschaft. Fruchtbare Böden, natürliche Wälder, sauberes Wasser in Flüssen, Seen und Ozeanen und selbst die Atemluft werden dem Mammon geopfert. Der Messias des Mammonismus inkarniert in Marken und Märkten, durchdrungen von der allumfassenden Macht und dem Heilsversprechen der Immermehrgötter. Eine zunehmend kranke Welt mit zunehmend kranken Menschen ist die Folge und die Götter lachen sich krumm.

Der Ruf der Erde: Alles ist EINS!

Wir leben in einer Zeit mit epochalen Umbrüchen, deren Zeugen und Protagonisten wir heute sind. Noch verhalten wir uns oft wie Schlafwandler, die in einem kollektiven Alptraum gefangen sind. Wir vernichten unsere Lebensgrundlagen und zerstören die Lebensräume anderer Erdbewohner. Kommt es noch rechtzeitig zu einem Erwachen aus dem Alptraum? Hören wir den Weckruf? Hören wir den Ruf der Erde? 


Die Klimakrise und die globale soziale und ökologische Krise spiegeln unsere Innenweltkrise. Die tiefliegenden Gründe für den Zustand der Welt haben zu tun mit unseren Denkgewohnheiten und unseren verinnerlichten Werten, die heute in einer Vielzahl oft gegensätzlich erscheinender Formen aufeinanderprallen. Diese Denkweisen und Wertehorizonte bestimmen, was wir wahrnehmen und wie wir es interpretieren. Sie bilden die Grundlage für unsere Antwort auf die Frage, wer oder was wir sind. Eine Gemeinsamkeit vieler Antworten auf diese Frage ist der Glaube an die Getrenntheit voneinander. Wir denken, wir seien getrennt von anderen Menschen, Tieren, Pflanzen und Wesen, wir seien getrennt von der Erde und von dem allumfassenden Urgrund allen Seins.


Diese Ansicht ist naheliegend, denn unser Identitätsempfinden beschränkt sich gemeinhin auf unseren Körper und zuweilen auf die uns unmittelbar zugesellten Menschen. Die Alltagsprobleme dieser kleinen ichbasierten Welt übersteigen oft schon unsere Kräfte. Unmöglich, den Blick auf die Erde als Ganzes zu richten, zu groß scheinen die weltweiten Probleme zu sein und der Beitrag des Einzelnen zu unbedeutend, als dass er einen Unterschied machen könnte. Doch da ändert sich etwas. Viele Menschen beginnen damit, sich der Verbundenheit und der Einheit allen Lebens bewusst zu werden. 

Vielleicht können die Krisen unserer Zeit dazu beitragen, dass wir uns öffnen für den Ruf der Erde - eine lichterfüllte lebendige Erde, die uns ruft zur Besinnung zu kommen, inne zu halten und die Erde um uns mit der Erde in uns in Resonanz miteinander zu bringen und die Einheit allen Lebens zu erahnen

 

Die Wahrnehmung der Wunder dieser Welt kann dazu dienen, die Erinnerung an das wachzurufen, was jenseits ihrer aller liegt. Dann mag es zuweilen geschehen, dass unsere Seele ein Lied anstimmt, das uns hinüberträgt zum Erahnen des zeitlos Ewigen in allem. Wie in der Metapher vom Gesang der Nachtigall auf dem Sternenweg umhüllt uns dann ein Hauch von Ewigem.

Die Welt der Menschen 1, 2 und ihre Vielfalt an Stimmen und Klängen

Der Ruf der Erde: Ein Weckruf

Stellen wir uns die gegenwärtige Situation der Erde und ihrer Erdlinge als eine Geburt vor, die Geburt einer neuen Identität, eine neue Antwort auf die Frage, wer oder was wir eigentlich in unserer Essenz sind. Die Schmerzen der Geburt können vermindert werden und wir können schon allein durch die Achtsamkeit für unsere Atmung unsere Aufmerksamkeit für das, was in diesem Moment geschieht, erhöhen. Unser Atem ist der Atem des Lebens, der Atem der lebendigen Erde.

 

Befreit von Angst und inspiriert von der allumfassenden Liebe hören wir dann den Ruf der Erde in unserem Herzen. Es ist der Ruf aufzuwachen und der Weisheit der Erde zu lauschen, angesichts der Plünderung des Planeten und dem globalen Sterben der Erdlinge.

 

An vielen Orten des Planeten hören Menschen diesen Ruf. Sie antworten darauf auf ihre jeweils eigene Weise. Darunter befinden sich auch eher der Stille und Kontemplation zugeneigte WeisheitslehrerInnen, die jetzt ihre Stimme erheben. Sie verlassen die Einsamkeit und Abgeschiedenheit ihrer Klöster. In ihren Meditationen sehen sie gleichgerichtete Botschaften, die aus der Tiefe ihres Seins emporsteigen und die sich zu einem einzigen Aufschrei bündeln, ein Urschrei der Erde ertönt durch alles Leben. Er lässt die Erde erbeben, ein geistiges Beben, das selbst die bislang in sich gekehrten MystikerInnen der verschiedensten Traditionen veranlasst, zum sofortigen Handeln aufzurufen: Hört den Ruf der Erde und antwortet jetzt darauf!

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