Priscillians Vermächtnis auf dem Sternenweg - Der Ruf der Erde.

Priscillians Vermächtnis auf dem Sternenweg - Der Ruf der Erde.

532 Seiten, mit vielen Zeichnungen und Fotos (s/w), 3. erweiterte Auflage 2020,
Auszug aus dem Kapitel "Der Ruf der Erde" mit zusätzlichen Links und Videos:

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Wir wissen es spätestens seit dem Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit aus dem Jahre 1972: Ohne sofortige wirksame Maßnahmen droht eine planetare Katastrophe. Zu einer Trendwende kam es bisher nicht. Die Plünderung des Planeten nahm danach erst so richtig Fahrt auf. Doch im selben Jahr geschah Erstaunliches: Ein Bild ging um die Welt. Ein Bild der ganzen Erde als ein blaues Juwel, aufgenommen im Jahre 1972 während des Fluges von Apollo 17. Es ermöglichte die Wahrnehmung unseres Planeten aus einer völlig neuen Perspektive. In den Weiten des Raumes erscheint die Erde in ihrer Ganzheit, Schönheit und Verletzlichkeit im Bewusstsein der Menschen. Staunend und zutiefst fasziniert schaute ich damals auf dieses Bild der Erde und auf den schmalen schimmernden Rand zwischen Erde und All, da, wo ich mich selbst verortete.


Ein bläulich schimmerndes schützendes Kleid umhüllt unseren Planeten. In der atembaren Lufthülle im untersten Teil unserer Erdatmosphäre hat sich das Leben entwickelt. Diese Hülle ist dünn – sehr dünn: Schon auf hohen Bergen wird die Luft zum Atmen knapp. Sauerstoffmangel kann ab 4.000 Metern zur Höhenkrankheit führen und ab 7.500 Metern beginnt bereits die Todeszone. Doch die hauchdünne atembare Lufthülle darunter ist voller Leben. 


Die zarte Membran unseres Planeten schützt uns, sie wärmt uns, sie bewahrt das Leben. Die Erde bildet diese wundersame Lufthülle durch alles, was lebt. Alle Erdlinge erschaffen diesen Raum mit. Leben schafft den Raum, in dem Leben möglich ist. Pflanzen und Algen machen aus Sonnenlicht den Sauerstoff, den das atmende Leben braucht. Das Ein- und Ausatmen von Menschen, Tieren und Pflanzen bedingen einander. Erde und Erdlinge sind in der Atmung unauflöslich miteinander verbunden. Erde und Leben sind EINS. Das atmende Leben ist das Atmen der Erde. 


Dank eines ausbalancierten planetaren Zusammenspiels, dank fruchtbarer Erde, grünen Wäldern und sauberem Wasser in Flüssen, Seen und Ozeanen hat sich das Wunder des Lebens auf unserem Planeten entfaltet und Menschen hervorgebracht, denen jetzt die Entscheidung über die Zukunft des Lebens anvertraut ist. Es geht um die Erhaltung der Lebensgrundlagen aller Erdlinge. Dazu gehört die Bewahrung der hauchdünnen Luftschicht unseres Planeten. 


Wie wäre es, wenn wir uns öfter an diese fragile, hauchzarte lebensspendende Hülle erinnern würden. Wie wäre es, wenn uns das Wunder des atmenden Lebens bei jedem Ein- und Ausatmen bewusst wäre? Wie wäre es, wenn wir in uns ein „Atmosphärisches Bewusstsein“ heranreifen lassen, wie es Stefan Ruf genannt hat: 


„Es ist gemeint im Sinne des Bewusstseins, dass uns da etwas Gewaltiges und Fragiles, mit dem wir verbunden sind, umhüllt. Umhüllt und gleichzeitig verwebt und verbindet mit einem globalen Geschehen. Aber mit einem globalen Geschehen, demgegenüber wir uns selbst nicht als etwas „draußen“ davon befindliches denken können. Wir sind Teil davon, wir sind in ihm, wir sind Teil der Atmosphäre, gleichzeitig umhüllt und vernetzt und verwoben. Das bedeutet: das Bewusstsein einer so verstanden Atmosphäre würde es uns nicht mehr erlauben, eine Erde zu denken, von der wir uns distanzieren könnten, eine Erde, die Globus ist – und wir sind draußen. Es würde uns helfen, das Ganze mehr sphärisch zu denken.“ (S.Ruf: Klimapsychologie, Frankfurt a.M., 2019, Seite 96)


Könnten wir mit einem solchen Bewusstsein unser kostbarstes Lebenselixier noch gedankenlos vergiften? Könnten wir dann noch längst verstorbene Wesen, Bäume und Wälder, die lange verwest, verwandelt und versteinert sind, als Brennstoffe einsetzen, wissend, dass wir mit dem Verbrennen von Kohle, Öl und fossilem Gas das ausbalancierte planetare Zusammenspiel zum Kippen bringen? 


Ich bin davon überzeugt, dass wir neue Fähigkeiten brauchen, die uns helfen, in ein Resonanzerleben mit der atmenden Erde zu kommen. Dann werden wir den Ruf der Erde deutlich hören und darauf mit Leichtigkeit und Freude antworten können.


Hoffnungsvoll ist, dass sich immer mehr Menschen für das Leben auf unserem Planeten engagieren und den Ruf der Erde erhören. Der Ruf der Erde ist der Ruf aufzuwachen und der Weisheit der Erde zu lauschen, angesichts der Plünderung des Planeten und dem globalen Sterben der Erdlinge. An vielen Orten des Planeten hören Menschen diesen Ruf. Sie antworten darauf auf ihre jeweils eigene Weise. Darunter befinden sich auch eher der Stille und Kontemplation zugeneigte Weisheitslehrer, die jetzt ihre Stimme erheben. Sie verlassen die Einsamkeit und Abgeschiedenheit ihrer Klöster. In ihren Meditationen sehen sie gleichgerichtete Botschaften, die aus der Tiefe ihres Seins emporsteigen und die sich zu einem einzigen Aufschrei bündeln, ein Urschrei der Erde ertönt durch alles Leben. Er lässt die Erde erbeben, ein geistiges Beben, das selbst die bislang in sich gekehrten Mystiker und Mystikerinnen der verschiedensten Traditionen veranlasst, zum Handeln aufzurufen. Ihre Botschaft durchdringt in ihrer Eindringlichkeit und Klarheit alles Leben auf dem Planeten: Erinnert euch an die Verbundenheit allen Lebens aller Zeiten, werdet euch eurer Mitverantwortung für das Ganze bewusst. Hört den Ruf der Erde und antwortet jetzt darauf! 

 

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1968: Erdaufgang (Earthrise) vom Mond aus gesehen: Rekonstruktion VideoWiki

1972: Vollerde (Blue Marble): Bild der ganzen Erde, Wiki

 2020: Die Erde live von der Raumstation ISS: Space Videos

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