Priscillian und sein Vermächtnis auf dem Sternenweg: Die Intuition des Himmels

Priscillians Vermächtnis auf dem Sternenweg - Der Ruf des Sueve

478 Seiten, mit vielen Zeichnungen und Fotos (s/w), 2. erweiterte Auflage 2018
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Auszug aus dem Kapitel "Die Intuition des Himmels":

Wenn heute die Glaubens- und Weisheitstexte aus Jahrtausenden nebeneinander gesichtet werden, dann ist es möglich, Muster zu erkennen. Michael Lütge hat dies für die Reise zum Licht als „Intuition des Himmels“ über die Jahrtausende von indoeuropäischen schamanischen Ritualen bis zur Entstehung der Gnosis und der christlichen Mystik versucht und kommt zu dem Ergebnis, dass bereits die frühen Schamanenrituale eine Form der Himmelsreise darstellten, deren Geschichte bis heute nachgezeichnet werden kann. Schamanische Rituale seien letztlich sogar der identifizierbare Ursprung der Vorstellungen zu Himmelsreisen zum Licht. Die indoeuropäische schamanische Himmelfahrt hatte die Sonne als „göttliches Licht“ im Außen wie im Innen erkannt und Initiationsriten zur inneren Erfahrung dieses Lichtes entwickelt. „Das göttliche Licht, aus dem himmelsstufenhaft von oben nach unten die Materie hervorgeht bis zu ihren bösen Erkaltungen weltlicher Finsternis in Winterzeiten, dieses göttliche Licht ist die wärmende Sonne und das Feuer, ohne das Leben erfrieren würde und gar nicht hätte entstehen können. Es wärmt den Organismen primär Haut und Herz und leuchtet erst sekundär den Augen zur Orientierung. Gnosis ist mutierte, vergeistigte Sonnenanbetung. Durch Paulus und Johannes hat die Gnosis als Zeitgeist eine zentrale Rolle für die Konstitution des Christentums. Durch sie hat das Christentum fast all sein Material aus fremden Religionen aufgesogen. Es ist für uns ein verwirrendes Gefühl, uns vorzustellen, daß unser innigstes Zentrum des Glaubens, die Erlösungslehre, sich mehr vedischem Erbe und dem Zoroastrismus verdankt als dem Wirken des historischen Jesus.“ [[i]]

Lütge führt aus, dass Gott als ewiges Licht auch eine Reminiszenz an den allerersten Augenaufschlag ist. [[ii]] Die Erfahrung des Lichtes beginnt bereits mit der ersten Lichterfahrung bei der Geburt. Und auch im körperlichen Sterbeprozess ist die Lichterfahrung essentieller Bestandteil, wie wir aus tausenden Nahtoderfahrungen wissen. Eine frühe Form der Himmelsreise zum Licht sieht Lütge in den Ritualen der Schamanen in veränderten Bewusstseinszuständen. Die Himmelsreise zeichnet sich seit jeher dadurch aus, dass verschiedene Stufen oder Phasen durchlaufen werden. Die Himmelsreise der Seele führt letztlich stets zum endlosen Licht in vollkommener Ruhe.

Lütges Forschungen zur Himmelsreise konzentrieren sich insbesondere auf die Zeit vom 2. Jahrtausend v.Chr. bis zur Ausreifung der gnostischen Traditionen und ihrer Adaption im Christentum, also bis zur Zeit Priscillians. [[iii]] Er hebt die Bedeutung des Zoroastrismus (auch Zarathustrismus, Mazdaismus oder Parsismus) und der zoroastrischen Spielart des Zurvanismus hervor. Die Himmelsreise zum Licht in Gnosis und Christentum gründet demnach auch auf diesen Lehren. Der Zoroastrismus geht auf Zarathustra zurück. Er lehrte als altiranischer Zaotar (Priester). Die Welt entstand nach diesen Lehren aus der außerzeitlichen und außerräumlichen Einheit, symbolisiert durch das göttliche Ur-Licht. Die Weltzeugung mit Raum und Zeit aus dem Einen ging einher mit der Entstehung von zwei Grundprinzipien: Ahura Mazda, das Gute, das Licht, die Liebe; und Angra Mainyu, das Böse, die Finsternis, die Angst. Ahura Mazda und Angra Mainyu erlangen als Gedanken, Worte und Werke in der Welt der Menschen Wirkkraft. Die beiden Grundprinzipien Licht und Finsternis lassen die Weltgeschichte in Zyklen entstehen, an deren Ende die Transformation beider hin zu einer zeitlosen, lichterfüllten Welt erwartet wird. Der Weg des Lichts und der Liebe führt in diese neue Welt, die Welt der Finsternis und der Angst führt letztlich zur Bewusstheit des Lichts. Auf dem Weg zurück zum außerzeitlichen und außerräumlichen Licht werden Rituale und Taufen an den Schwellen der jeweiligen Stufen zelebriert. In zoroastrischer Tradition ist die Himmelsreise zum Licht unter anderem im Bundahischn (auch Bundehesh, mittelpersisch für Urschöpfung) beschrieben. [[iv]]

Kirchenvater Jerome bezeichnete Priscillian als einen Magier in der Tradition des Zoroastrismus, der die magischen Künste beherrsche und anwende: „The censure of Zoroastrianism associated Priscillian directly with the magical arts. Jerome's fixation on Priscillian's fascination with magic and magicians is wellfounded, or at least consistent with other testimony, whereas no other writer attaches explicitly Zoroastrianism to Priscillian.” [[v]]

Jeromes Behauptungen richteten sich gegen den aufblühenden Priscillianismus in Gallaecia. Die Anschuldigung, Priscillian sei ein Magier des Zoroastrismus gewesen, machte er zu einer Zeit, als Bischof Dictinius von Astorga im Amt war und der Priscillianismus im Königreich der Sueven eine weite Verbreitung gefunden hatte.

Ob nun Priscillian in der Tradition des Zoroastrismus stand, wie Jerome behauptet, sei dahingestellt. Fest steht: Zoroastrismus und Zurvanismus hatten einen grundlegenden Einfluss auf die abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam), auf Platon, auf römische Mysterienkulte und auf die Spielarten der Gnosis samt ihrer neuzeitlichen spirituellen Bewegungen.

Für Priscillian war die Himmelsreise ein inneres Erleben, das eine Kraft freisetzt, die aus inneren Vorstellungen hervorgeht. Die Ausrichtung auf das Gute, das Licht, die Liebe, das Grundprinzip Ahura Mazda, wurde im christlichen Umfeld zur „Frucht des Geistes“ und zur „Frucht des Lichtes“. In den Briefen des Paulus über das Leben im Geist (Galater 5) und das Leben im Licht (Epheser 5) werden die Früchte genannt: Nächstenliebe, Friede, Geduld, Freude, Güte, Treue, Sanftmut, Freiheit, Gerechtigkeit, Wahrheit und Liebe. Priscillian spricht von „Werken des Geistes“ als Ausdruck des Tempels Gottes in uns. [[vi]]

Die Kraft dieser Werke des Geistes und die damit einhergehenden inneren Vorstellungen und Gedanken können das Leben zum Fest machen, zur Himmelsreise auf Erden. Priscillian ruft uns zu: Die Früchte eines Lebens im Licht sind bereits da. Öffnen wir uns für diese Früchte als Werke des Geistes. Wir können sie erfahren und wir können sie tun.

Priscillians Tun war höchst politisch. [[vii]] Er rüttelte vehement an den Grundfesten politischer Überzeugungen seiner Zeit. Für ihn stand fest: Hier ist nicht Ausländer noch Einheimischer, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau. Ihr seid alle EINS in CHRISTUS. Sein „politisches Programm“ lautete: Haltet die Früchte des Lichtes in euren Gedanken, Worten und Taten präsent: Nächstenliebe, Friede, Geduld, Freude, Güte, Treue, Sanftmut, Freiheit, Gerechtigkeit, Wahrheit und Liebe. Fürchtet euch nicht. Schaut ohne Angst auf die Finsternis und wendet sie zum Licht. Lebt ein Leben im Licht.

Demgegenüber können die Worte und Gedanken der Finsternis und die Werke der Angst das Leben zur Hölle machen. Sie können auch töten und werden seit Jahrtausenden dazu genutzt, zumeist verbunden mit der fehlgeleiteten Annahme, im Recht zu sein, mit Gott zu sein. Diese jahrtausendealte Dynamik kann an den Worten der Volksverführer alter und neuer Imperien leicht nachvollzogen werden, zum Beispiel am Krieg gegen „Terroristen“ [[viii]] im Irak, Afghanistan, Libyen, Syrien, Mali, Jemen und in vielen weiteren Winkeln dieser Erde. Michael Lütge: „Tödliche Worte als Auslöser maligner Teufelskreise sind neben der Verdammung durch Schamane oder Klerus oder dem „Schuldig“ der Geschworenen auch die gefälschten und im TV vorgeführten Beweise der Schuld des Feindes, meist international geächtet und veraltete Waffen, bevor man gegen ihn ihm Namen Gottes mit größter und fortwährend propagierter Siegesgewißheit und den grausigsten modernsten Waffengattungen den international geächteten Angriffskrieg eröffnet, wie dies 2003 der Amerikaner Bush im Irakkrieg wiederholt hat – sie demoralisieren den Gegner und stärken den eigenen Kampfeswillen, genau wie die Reden der antiken Schlachtführer vor dem Gemetzel. Alle diese Bedeutungsspiele funktionieren nach der Gleichung Im-Recht-Sein = Gutsein = Mit-Gott-Sein = Starksein = Siegen.“ [[ix]]

Ein Beispiel: Am 20.09.2001 hält US-Präsident Bush eine Rede, in der er allen „Terroristen“ und allen Regierungen in Ländern, die nach seiner Ansicht „Terroristen“ unterstützen, den Krieg erklärt. In der Rede bezeichnet er seine Kriegsgegner als islamische Terroristen, die Weisung hätten, Christen und Juden zu töten, alle Amerikaner zu töten, alle Militärs und alle Zivilisten, einschließlich Frauen und Kinder. Es seien die, die Böses im Namen Allahs begehen. Ihr Ziel sei, die Welt neu zu erschaffen. Im Gegensatz dazu stehe „Amerika“ [[x]] als die Welt der Freiheit, Gerechtigkeit und der Demokratie. Ganz „Amerika“ sei zutiefst bewegt, dass Republikaner und Demokraten gemeinsam "God Bless America" singen. In heroischen Worten rühmt Bush in seiner Rede dann das von Gott gesegnete „Amerika“ und kündigt unmittelbare Vergeltung, militärische Schläge und verdeckte Geheimoperationen an. Es werde nicht nur eine Schlacht geben, sondern einen lang andauernden Feldzug, wie „Amerika“ ihn noch nie erlebt habe. Er werde nicht eher zu Ende sein, bis jeder Feind besiegt sei. Jede Nation müsse eine Entscheidung treffen: Entweder sind sie auf „unserer Seite“ (der Seite des von Gott gesegneten „Amerika“) oder auf der Seite der „Terroristen“.

Nach dieser Rede des US-Präsidenten rief die NATO erstmals den Bündnisfall aus – der bis heute andauert. Vorher nicht durchsetzbare Maßnahmen wurden innerhalb kurzer Zeit ergriffen, darunter die Einschränkung von grundlegenden Rechten, Massenüberwachung, die immense Ausweitung der Finanzmittel für Krieg und Kriegsvorbereitung und die Kriegsmaschinerie wurde sogleich angeworfen, mit illegalen Kriegen [[xi]] und dem weitgehend automatisierten Töten im Drohnenkrieg. Über 2 Millionen Tote sind allein in Afghanistan, Irak und Pakistan zu beklagen. [[xii]]

Von General Wesley Clark wissen wir heute: Bereits 10 Tage nach den Anschlägen am 11.09.2001 wurde die Entscheidung der Bombardierung des Iraks getroffen. Kurze Zeit später stand fest, welche Länder noch bombardiert werden sollen, bzw. in welchen Ländern ein Regierungswechsel herbeigeführt werden soll, darunter Afghanistan, Syrien, Libyen, Somalia, Sudan, Iran. [[xiii]]

Als der ehemalige spanische Präsident Aznar, der an der Seite von US-Präsident Bush in den Krieg gegen den Irak zog, im Jahre 2004 eine vielbeachtete Rede an der Georgetown University hielt, da war es die „Reconquista“, an die er anknüpfte: Die Probleme mit Al-Kaida und islamischem Terrorismus hätten nicht mit der Irakkrise begonnen, sondern vor 1.300 Jahren. Mit dem Verweis auf eine „Reconquista“ beziehen sich einige Politiker gerne auf einen angeblich 800 Jahre andauernden Kampf der Christen gegen die Muslime, der mit einer „Schlacht von Covadonga“ begonnen haben soll, in der Pelayo dank göttlicher Fügung mit erhobenem Siegeskreuz einen heroischen Sieg errungen haben soll. Das angebliche Gefecht um das Jahr 718 in Covadonga als eine religiös motivierte Glaubensschlacht zwischen Christen und Muslimen darzustellen, ist ein Ausfluss der neogotischen Reichsideologie. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fand der Begriff "Reconquista" im Sinne einer militärischen Rückeroberung eines katholischen Heimatlandes einer spanischen Nation Eingang in die spanische Geschichtsschreibung. Behauptet wurde, dass es seit dem 8. Jahrhundert eine politisch-religiös motivierte Rückeroberung gegeben habe. Als neue Wortschöpfung wurde diese erfundene "Reconquista" als ideologischer Begriff durch Wiederholung zum historischen Faktum. Die Bösen waren demnach seit 1.300 Jahren die Muslime und die Guten waren seit jeher die katholischen Christen, die für ihre spanische Nation seit dem 8. Jahrhundert in den Krieg gegen die Muslime gezogen seien. Wer nun glaubt, dies sei eine Anekdote der Geschichte, der irrt. Die Ideologie der „Reconquista“ ist heute aktueller denn je. [[xiv]] [[xv]]

Nicht nur der spanische Präsident Aznar bedient sich dieser Geschichtsfälschung. Der Historiker Francisco García Fitz weist darauf hin, dass die ideologische Fundierung der „Reconquista“ als militärische Rückeroberung über annährend 800 Jahre in der Doktrin des „gerechten Krieges“ und des „heiligen Krieges“ gegen Muslime zu finden sei. Selbst wenn muslimische Familien bereits seit vielen Generationen über Jahrhunderte auf der Iberischen Halbinsel lebten, sie wurden in der ausgrenzenden nationalistischen Ideologie als „ausländische“ Muslime angesehen. Noch heute werden die „Reconquista“, der „Covadonga-Mythos“ und das vermeintliche „Siegeskreuz“ aus einer „Schlacht von Covadonga“ als Symbole für den heiligen, durch göttlichen Beistand siegreichen Kampf der Christen gegen die Araber und manchmal auch gegen heute lebende Muslime, Fremde, Ausländer und Flüchtlinge missbraucht.

Mit der Kriegserklärung der französischen Regierung, in ähnlichen Worten wie Jahre zuvor US-Präsident Bush [[xvi]], und der darauf folgenden Ausrufung des EU-Beistandsfalls, nur wenige Tage nach Anschlägen in Paris am 13.11.2015, haben sich inzwischen alle Länder der Europäischen Union dem Krieg gegen „Terroristen“ verpflichtet und die Militarisierung EUropas [[xvii]] wurde zu einem strategischen Ziel der EU-Regierungen.

Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen des Jahres 2017 verkündeten EU-Regierungschefs feierlich die Beschleunigung der Militarisierung EUropas. Eine großartige Vision sei vor Jahren geboren worden und heute (am 14.12.2017) sei ein Traum in Erfüllung gegangen, die EU habe sich für eine Stärkung der NATO entschieden. Dies sei eine gute Nachricht für die EU und für alle NATO-Partner. Zugleich sei es eine “schlechte Nachricht für unsere Feinde”. (Am gleichen Tage wurden erneut Sanktionen gegen Russland beschlossen.) Ein dicker Mann im Kampfanzug trat an das Mikrophon. Er dankte der EU für diese „historische Entscheidung“. Dann stellten sich die Präsidenten und Soldaten im Kampfanzug zu einem Familienfoto auf, wie sie es nannten. Im Hintergrund war eine riesige Multimediawand zu sehen – mit Kriegswaffen. Drohnengeheul war zu hören. Die Präsidenten gratulierten sich gegenseitig. Sie waren sichtlich vergnügt und hoch zufrieden. (Vgl.: Livestream Reinforcing European defence: PESCO family photo and press statement, Thursday, 14 December 2017)

EUropa ist jetzt Militärunion. Der Beschluss der NATO-Regierungen zum Ausgabenzwang für Militarisierung in Höhe von zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts wurde von der EU übernommen, eines der kostenintensivsten Ausgabenprogramme, das in EUropa jemals durchgesetzt wurde. Dies wird Milliardenbeträge in die Kassen derer spülen, die von Krieg und Kriegsvorbereitung profitieren. Natürlich werden die Regierungen und ihre Medien diese Milliarden gegenüber den Steuerzahlenden in den EU-Ländern als unverzichtbare Ausgaben für Frieden, Freiheit und Sicherheit verkaufen. Die Süddeutsche Zeitung titelt am 14.12.2017, nur wenige Minuten nach der Jubelfeier im Drohnengeheul: "Die schlafende Schönheit erwacht". Kommissionspräsident Juncker schwärmt, eine "schlafende Schönheit" sei zum Leben erweckt worden und Außenbeauftragte Mogherini sieht die EU-Militärunion in der Tradition Nelson Mandelas: "Es erscheint immer unmöglich, bis man es gemacht hat", habe der große Nelson Mandela gesagt. “Wir haben es geschafft”, triumphiert Mogherini mit Verweis auf Nelson Mandela. Der hatte in Südafrika allerdings ein Gegenmodell zu Militarisierung, Krieg und Kriegsvorbereitung geschaffen. Wer jedoch die angeblich edlen Ziele von Militarisierung und Krieg hinterfragt, der kommt in den staatstragenden Medien selten vor oder wird gleich in die Witzspalten der Satiremagazine geschoben.

 „Die Welt ist im Krieg“, stellt Papst Franziskus fest. Es sei ein „Weltkrieg in Stücken“, der „hochgradig organisiert“ sei, ein „Krieg der Interessen, für Geld, Naturressourcen und die Herrschaft über Völker.“ [[xviii]] Wenn erst einmal Krieg herrscht, dann können rivalisierende Gruppen gebildet und aufeinandergehetzt werden und jede Kriegspartei findet dann Gründe, um den Gegner als besonders brutal darzustellen und ihn der schlimmsten Kriegsverbrechen zu bezichtigen. „Divide et impera“ (teile und herrsche) nannte man diese Strategie bereits im römischen Imperium. [[xix]]

Papst Franziskus äußert sich deutlich gegen die Kriege zur Plünderung des Planeten, zur Profitsteigerung und zur Durchsetzung machtpolitischer Interessen. Die „Interessen des vergötterten Marktes“ und der Ressourcenraub führen zu immer neuen Kriegen, „die als eine Geltendmachung edler Ansprüche getarnt werden“, schreibt Papst Franziskus in seiner ENZYKLIKA LAUDATO SI’. [[xx]] Die klaren Worte des Papstes überraschen. Doch was machen die Kirchen angesichts der deutlichen Worte von Papst Franziskus? Staat und Kirche ziehen ja zumeist gemeinsam in den Krieg. Militärische Einsätze werden durch Militärpfarrer der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland seelsorgerlich begleitet und moralisch legitimiert.

Franz Alt meint dazu: „Solange die beiden Kirchen in Deutschland noch »Militärseelsorge-Verträge« mit dem Staat brauchen, haben sie von der Friedensbotschaft des Bergpredigers wenig verstanden. Jesus würde nie verstehen, dass »seine« Nachfolger »Militärpfarrer«, »Militärdekane« und »Militärbischöfe« sein wollen, die den Soldaten im Kampf den Segen erteilen und in von Militärs bewachten Kasernen »Militärgottesdienste« feiern." [[xxi]]

Wer erinnert sich heute noch an den Auslöser des „Weltkriegs in Stücken“, wie ihn Papst Franziskus bezeichnet? Er begann mit den Anschlägen am 11.09.2001 in den USA. Der Schuldige stand sofort fest: Ein bärtiger Mann, der in einer Höhle in den Bergen Afghanistans vermutet wurde: Osama Bin Laden. Ich erinnere mich noch genau an die Bilder dieses Tages. Vor allem an zwei Flugzeuge, die in Hochhäuser gelenkt wurden und an drei Hochhäuser, die in freiem Fall zu Boden stürzten. Einige Monate zuvor hatte ich eine kontrollierte Hochhaus-Sprengung in der Nähe meines Wohnortes beobachtet. Die Ähnlichkeiten waren immens. Als ich das dritte Hochhaus (WTC-Gebäude 7) einstürzen sah, kamen ernste Zweifel in mir auf. Auch als ein Passant einen Pass fand, der sogleich in die Kamera gehalten wurde, und der von einem der Terroristen stammen sollte, der eines der Flugzeuge ins World Trade Center gelenkt haben soll, trug das nicht dazu bei, meine Zweifel auszuräumen. War der Pass bei dem Aufprall aus der Tasche gefallen und durch die brennenden Reste der Flugzeugwand, durch teils pulverisierte Großraumbüros mit geschmolzenem Stahl und durch die brennende Hochhauswand hinaus ins Freie gesegelt, um dann unversehrt vor die Füße eines gut informierten Passanten zu fallen, der die Bedeutung des Dokumentes aus dem Cockpit sofort erkannte und den Pass daher sogleich aus dem Staub zog?

Es dauerte bis zum Jahr 2004, als die 9/11-Kommission des US-Kongresses ihren Bericht zu den Ereignissen am 11.09.2001 vorlegte. Darin findet sich keine Erklärung für das im freien Fall eingestürzte WTC-Gebäude 7, das nicht von einem Flugzeug getroffen wurde. Im Jahr 2008 legte dann eine US-Regierungsinstitution doch noch einen Bericht vor, der die offizielle Erklärung für den Einsturz von WTC-7 zum Inhalt hatte: Ein Feuer war es! Mehr als eintausend Architekten und Statiker bezeichneten diesen Bericht als zutiefst unglaubwürdig. Sie fordern bis heute eine unabhängige Untersuchung.

Was würde wohl Priscillian zu all dem heute sagen? Priscillians Tun war ja höchst politisch. Er rüttelte an den Grundfesten politischer Überzeugungen seiner Zeit. Vielleicht würde er sich heute so äußern: „Hier ist nicht Muslim noch Christ, hier ist nicht böser „Terrorist“ noch guter „Amerikaner“, hier ist nicht Soldat noch Pazifist. In eurer Essenz seid ihr alle EINS. Erkennt euch selbst. Erkennt das SELBST. Im Bewusstsein des EINSSEINS ist das Getrenntsein transzendiert. Da ist kein Platz für Krieg. Die Heilung der Erde und ihrer Erdlinge geschieht im Einklang mit allem. Lasst euch nicht von weltlichen und kirchlichen Verführern beirren, lasst euch nicht betören von Krieg, Hass und Gewalt. Haltet die Früchte des Lichtes in euren Gedanken, Worten und Taten präsent: Nächstenliebe, Friede, Geduld, Freude, Güte, Treue, Sanftmut, Freiheit, Gerechtigkeit, Wahrheit und Liebe. Fürchtet euch nicht. Lebt ein Leben im Licht. Schaut ohne Angst und mit liebevollem Mitgefühl auf die Finsternis und helft, sie zum Licht zu wenden.“

In Traktat X des Priscillian-Kodex aus Gallaecia (Priscilliani Tractatus ad Populum II) geht es um Situationen von Krieg, Flucht und Gewalt, wie sie in Psalm 59 zum Ausdruck kommen. Der priscillianische Autor hebt hervor, dass Kriege menschengemacht sind, dass äußerer Friede den inneren Frieden voraussetzt und dass Krieg allegorisch als innerer Kampf gedeutet werden kann. Unsere Gedanken verursachen in uns Krieg gegen uns selbst und andere. Diese psychologische Interpretation der Entsprechung von äußeren Geschehnissen und inneren Prozessen wird in Traktat X besonders deutlich. Aus der Tiefe unserer Seele müssen wir den spirituellen Sinn erfassen, ist der Autor des Traktats X überzeugt. Die Macht von allem Gottfernen ist begrenzt. Uns steht es frei zu wählen. Wir können uns entscheiden für den Weg der Finsternis oder den Weg zum Licht. [[xxii]]

Mir kamen die Ausführungen des priscillianischen Autors von Traktat X recht aktuell vor. Die Welt des Zeitlichen wird darin nicht gänzlich als teuflisch angesehen, wie es in einigen gnostischen Strömungen der Fall war. Wir können uns entscheiden. Frieden ist nicht allein die Abwesenheit von Krieg. Äußerer Friede ist vielmehr das Spiegelbild des inneren Friedens, des Friedens in uns als individuelle Wesen und als Menschheit, der uns verbindet mit der Essenz allen Lebens. Innerer Frieden kann sich im Außen manifestieren und umgekehrt kann äußerer Frieden zu innerem Frieden beitragen. Entscheiden wir uns für diesen Frieden, entscheiden wir uns für die „Früchte des Lichtes“.

...

 

[i] Michael Lütge: Der Himmel als Heimat der Seele. Visionäre Himmelfahrtspraktiken und Konstrukte göttlicher Welten bei Schamanen, Magiern, Täufern und Sethianern. Iranische Spuren im Zostrianos von Nag Hammadi, Göttingen, 2008, Seite 23

 

[ii] Vgl.: Michael Lütge: Der Himmel als Heimat der Seele, a.a.O., Seite 163ff

 

[iii] Vgl.: Michael Lütge: Der Himmel als Heimat der Seele, a.a.O., Seite 390ff, Seite 537ff

 

[iv] Vgl.: Michael Lütge: Der Himmel als Heimat der Seele, a.a.O., Seite 41

 

[v] Alberto Ferreiro: Jerome's polemic against Priscillian in his Letterio Ctesiphon (133, 4); in: Revue des Études Augustiniennes, Nr. 39, Paris 1993, Seite 329

 

[vi] Vgl.: Manuel José Crespo Losada: Traducción y comentario filológico del Tractatus primus de Prisciliano de Ávila, a.a.O., Seite 445

 

[vii] Für Santiago Fernández Ardanaz war Priscillian ein Systemkritiker, der die grundlegenden Werte der herrschenden kirchlichen und weltlichen Macht in Frage stellte. Ein System, das auf Geldmacht, Ruhm und Genusssucht beruhte, in dem Korruption, Betrug und die Gier nach Besitz und Reichtum bestimmende Maxime waren, obwohl die Kleriker am Altar Gottes vorgaben, andere Werte zu vertreten.

 

Vgl.: Santiago Fernández Ardanaz, Jaime Alvar, Arminda Lozano Velilla, Guadalupe López Monteagudo, Clelia Martínez Maza, Antonio Piñero, José María Blázquez Martínez: Cristianismo Primitivo y Religiones Mistéricas, Madrid, 1995, Seite 375

 

[viii] Der Begriff „Terroristen“ steht hier in Anführungszeichen, weil es für ihn keine allgemein akzeptierte Definition gibt. Wer jeweils in einem Land oder Kontext als „Terrorist“ gilt, entscheiden die jeweiligen Machtgruppen, die über die Deutungshoheit des Begriffs verfügen. Es ist eine Methode, mit der man aus Menschen, durch ein Wort, Nicht-Menschen macht, für die grundlegende Menschenrechte nicht gelten. In den USA ist dies besonders deutlich: Reagans „Krieg gegen den Terror“ war in den 1980er Jahren der Vorwand für die Durchsetzung machtpolitischer Ziele, dem hunderttausende Menschen in Mittelamerika zum Opfer fielen.

Und etwa 1,5 Millionen Menschen, angebliche „Terroristen“, sind unter dem Apartheidstaat in Südafrika ermordet worden. Die USA unterstützten dort den Krieg gegen die angeblich schlimmste Terrorgruppe der Welt. Ihr Sprecher war Nelson Mandela, der spätere Friedensnobelpreisträger.

 

Vgl.: Noam Chomsky: „Die üble Geißel des Terrorismus": Realität, Konstruktion, Abhilfe; in: Tageszeitung „junge Welt“ vom 30. und 31. März 2010, Berlin, 2010

 

[ix] Michael Lütge: Der Himmel als Heimat der Seele, a.a.O., Seite 48

 

[x] Gemeint ist mit dieser Bezeichnung nicht etwa der Kontinent Amerika. Präsident Bush bezieht sich mit der Bezeichnung „Amerika“ auf ein Land des Kontinents: die USA.

 

[xi] Vgl.: Daniele Ganser: Illegale Kriege: Wie die NATO-Länder die UNO sabotieren. Eine Chronik von Kuba bis Syrien, Zürich, 2016

 

Der Historiker Daniele Ganser analysiert in diesem Buch beispielhaft einige ausgewählte illegale Kriege, darunter die illegalen Kriege in Afghanistan (ab 2001), Irak (ab 2003), Libyen (ab 2011), Syrien (ab 2011), Ukraine (ab 2014), Jemen (ab 2015)

 

[xii] Vgl.: IPPNW - Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in soz. Verantwortung (deutsche Sektion), Berlin, PSR - Physicians for Social Responsibility (US-amerikanische Sektion), Washington DC, PGS - Physicians for Global Survival (kanadische Sektion), Ottawa der International Physicians for the Prevention of Nuclear War – IPPNW (Herausgeber): Body Count, Opferzahlen nach 10 Jahren "Krieg gegen den Terror", Irak – Afghanistan – Pakistan, Internationale Ausgabe, 2015

 

In diesem Bericht wurden Studien zu den Opferzahlen ausgewertet. Die Gesamtzahl in lediglich drei Ländern (Irak, Afghanistan, Pakistan) wird darin bereits für die ersten 10 Kriegsjahre auf 1,3 bis über 2 Millionen Kriegstote geschätzt.

 

[xiii] Vgl.: General Wesley Clark: Interview vom 02.03.2007 mit Amy Goodman, Democracy Now:

http://www.democracynow.org/2007/3/2/gen_wesley_clark_weighs_presidential_bid (Aufruf 08.03.2018)

 

[xiv] Der ehemalige spanische Präsident Aznar am 22. September 2004: „… el problema que España tiene con Al Qaeda y el terrorismo islámico no comienza en la crisis de Iraq. De hecho, no tiene nada que ver con las decisiones del gobierno. Deben retroceder al menos 1300 años, a principios del siglo octavo, cuando España, recientemente invadida por los moros, rehusó a convertirse en otra pieza más del mundo islámico, y comenzó una larga batalla para recobrar su identidad. Este proceso de reconquista fue largo, unos 800 años."

Zitiert nach: Martín Ríos Saloma: Usos políticos e historiográficos del concepto de Reconquista; in: Anales de la Universidad de Alicante. Revista Historia Medieval, Nr. 17, 2011, Seite 46f

 

Als Verb für diese Geschichtsdeutung fand „reconquistar“ erstmals 1796 Eingang in einen Band: "...la Religión y favores del cielo los animó a pensar no solo en defenderse, sino también en reconquistar la patria de mano del enemigo..."

José Ortiz y Sanz: Compendio cronológico de la historia de España, 7 vols., Madrid: 1795-1803, vol. II, (1796), Seite 192

 

Vgl.: Francisco García Fitz: La Reconquista: un estado de la cuestión; in: Clio & Crimen nº 6, Durango, 2009, Seite 142-215

 

Vgl.: Carolyn P. Boyd: Covadonga y el regionalismo asturiano; in: Ayer. Revista de Historia Contemporánea, 64/2006 (4), Madrid, 2006, Seite 149-178

 

Vgl.: Martín Ríos Saloma: La Reconquista. Una construcción historiográfica (siglos XVI-XIX), a.a.O.

 

Vgl.: Martín Ríos Saloma: Usos políticos e historiográficos del concepto de Reconquista, a.a.O., Seite 41-65

 

[xv] Im Jahre 2018, also 1.300 Jahre nach der angeblichen „Schlacht“, wird Covadonga mit beträchtlichem Aufwand international in Erinnerung gebracht. Es ist die Neuauflage einer dreifachen Jubiläumsfeier. Neben dem „Schlachtenfest“ besteht der erste Nationalpark Spaniens dann 100 Jahre (zunächst "Montaña de Covadonga", heute "Picos de Europa“) und vor 100 Jahren erfolgte auch die Krönung einer Holzfigur in der Felsengrotte (La Santina).

Die Feierlichkeiten zum 13. Jahrhundertjubiläum Covadongas wären eine Gelegenheit gewesen, das 12. Jahrhundertjubiläum aufzuarbeiten. Denn: Das 12. Jubiläum im Jahre 1918 markierte den Triumpf der nationalistischen Deutungshoheit. Damals wurde das dreifache Jubiläum Covadongas erfunden und nationalistisch instrumentalisiert. Die Beschwörung des Islams als Erzfeind Spaniens und Europas trug dazu bei, dass antiislamische Stereotype reproduziert und gefestigt wurden. Jenseits von historischen Fakten wurde die erfundene Vernichtung von 70.000 Arabern in einer „Schlacht von Covadonga“ als Begründung für die „Heiligkeit“ des Ortes herangezogen, als „Dienst für die Christenheit und für Europa“. (Conmemoración del Senado, Madrid 1918)

„Reconquista“ wurde zu einem Schlachtruf der extremen Rechten Europas. Heute ziehen in vielen Städten Europas wieder Menschen durch die Straßen und rufen ihre antiislamischen und fremdenfeindlichen Parolen unter dem Banner der „Reconquista“.

Die Jubiläumsfeiern 2018 wären eine Gelegenheit gewesen, die nationalistische Propaganda durch historische Befunde zu ersetzen. Doch schon die offiziellen PR-Materialien zum Jubiläumsjahr 2018 sprechen eine andere Sprache: In einem Werbevideo der Stadt Cangas de Onís, das in spanischer und englischer Sprache erschienen ist, wird der „Covadonga-Mythos“ einmal mehr zu historischer Wahrheit erklärt, wieder einmal mit den nationalistisch fundierten und historisch falschen Parolen wie einer "Schlacht von Covadonga" als historische Tatsache, als Beginn einer „Rückeroberung Spaniens", als „Triumpf der Truppe des Don Pelayo gegen muslimische Truppen“. Und: Das Kreuz, das Pelayo in der „Schlacht von Covadonga“ emporgehalten habe, sei das Symbol der „Rückeroberung Spaniens“ und Covadonga sei dann auch zum „ersten Heiligtum Spaniens“ geworden.

Während der internationalen Tourismusmesse 2018 in Madrid wurde zudem in einer werbewirksamen Inszenierung ein PR-Video vorgestellt, dessen Inhalt im Video selbst sogar ausdrücklich als „historische Tatsache“ bezeichnet wird: Pelayo hätte demnach den Widerstand gegen die Muslime begründet, dessen Höhepunkt die „Schlacht von Covadonga“ gewesen sei. Damit habe die Reconquista begonnen, die 800 Jahre später mit der Eroberung Granadas ihren glorreichen Erfolg (culminación) erzielt habe. Dies sei eine historische Tatsache (hecho histórico), an die Cangas de Onís in jedem Jahr unter dem Motto „Astures, Pelayo nuestro Rey“ erinnere.

 

Festzuhalten bleibt meiner Ansicht nach aufs Neue:

 

  1. Der Covadonga-Mythos und der Heldenmythos des Pelayo bieten reichhaltigen Stoff für spannende Romane und erfolgreiche Filmproduktionen, doch historische Tatsachen sind es nicht.
  2. Es gab keine „Schlacht von Covadonga“.
  3. Ob es um das Jahr 718 ein strategisch unbedeutendes Gefecht in Covadonga gegeben hat, ist ungewiss.
  4. Es gab keine Reconquista als nahezu 800-jährige militärische Rückeroberung Spaniens von den Muslimen. Es gab noch nicht einmal ein zuvor einheitliches katholisches Spanien, das hätte zurückerobert werden können.
  5. Das (angebliche) christliche Kreuz des Pelayo aus der (erfundenen) „Schlacht von Covadonga“ als das Symbol einer (erfundenen) 800-jährigen militärisch-christlichen Reconquista anzusehen und zu verbinden mit Covadonga als dem (angeblich) ersten Heiligtum Spaniens, entspricht nicht den historischen Tatsachen. Diese Geschichtsdeutung knüpft eher an den Nationalismus des 19. und 20. Jahrhunderts an.

 

Vgl. auch: Patricia Hertel: Der erinnerte Halbmond: Islam und Nationalismus auf der Iberischen Halbinsel im 19. und 20. Jahrhundert, München, 2012

 

Vgl. auch: Alejandro García-Sanjuán: Rejecting al-Andalus, exalting the Reconquista: historical memory in contemporary Spain; in: Journal of Medieval Iberian Studies, Vol. 10, No. 1, London, 2018, Seite 127-145

 

[xvi] Vgl. zur Kriegserklärung der französischen Regierung im Vergleich mit der Kriegsrede des US-Präsidenten Bush: Sendung des NDR (Panorama) vom 26.11.2015: Terrorgruppe IS: Wie der Westen ein Monster schuf.

 

[xvii] Die Großschreibung von EU in der Bezeichnung EUropa soll darauf hinweisen, dass Europa und die Europäische Union nicht identisch sind, auch wenn Vertreter der EU und der EU-Regierungen gerne im Namen Europas reden oder in ihren politischen Stellungnahmen die Bezeichnung „Europa“ oft als Synonym für „Europäische Union“ verwenden oder gar als Abgrenzung zwischen „Europa“ einerseits und zum Beispiel „Russland“ andererseits. Dabei wissen die meisten EU-Player sehr genau, dass die größten Städte Europas gar nicht der Europäischen Union angehören (Istanbul, Moskau, Sankt Petersburg, demnächst auch London).

 

[xviii] Papst Franziskus: „Die Welt hat den Frieden verloren", Radio Vaticana, 27.07.2016

 

[xix] Kriegschaos herrscht heute in vielen Ländern, vor allem in rohstoffreichen Ländern ohne US-Vasallenregierung. Hinzu kommt: Der Versuch einer Destabilisierung Russlands, die Ausweitung und Intensivierung der NATO-Kooperationen mit den Ländern rund um Russland; die Stationierung neuer Atombomben in Deutschland und anderen Ländern Europas; die atomare Erstschlagsdoktrin und die Herabsetzung der Schwelle für den Einsatz von US-Atombomben, sogar bei Cyberangriffen ist jetzt der Einsatz von US-Atombomben, wie die in Büchel bei Cochem stationierten US-Atombomben, möglich, wobei allgemein bekannt ist, dass eine Zuordnung eines Cyberangriffs auf ein bestimmtes Land kaum möglich ist. In Büchel übt die Bundeswehr den Einsatz dieser Massenvernichtungswaffen im Rahmen der sogenannten „nuklearen Teilhabe“. Hinzu kommt auch das neue Pentagon-Handbuch "Gesetz des Krieges", mit dem das Völkerrecht ausgehebelt wird und demokratische Grundsätze und Menschenrechte, die im Laufe von Jahrhunderten entwickelt wurden, einfach abgeschafft werden.

 

Vgl.: Thomas Gaist: Das Pentagon-Handbuch zum Kriegsrecht; in: Luftpost: Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein, LP 218/15, 30.11.2015

 

Die Friedensnobelpreisträger des Jahres 2017 (ICAN und IPPNW) bezeichnen die neue Atomwaffendoktrin der US-Regierung als Gefahr für den Weltfrieden. Ein Atomwaffeneinsatz sei jetzt wahrscheinlicher geworden. Nur eine grundlegende Wende in der Atomwaffenpolitik und eine Abkehr von der „nuklearen Teilhabe“ von Ländern wie Deutschland könne die Eskalation von Aufrüstung und Drohungen noch stoppen. Die Friedensnobelpreisträger fordern, dass Deutschland das von 122 Staaten am 7. Juli 2017 beschlossene internationale Atomwaffenverbot unterschreibt und die Atombomben aus Büchel in Rheinland-Pfalz abzieht. Das Friedensforschungsinstitut SIPRI in Stockholm warnt vor einer bereits absehbaren gigantischen Aufrüstung mit atomaren Massenvernichtungswaffen, entgegen dem Willen der überwältigenden Mehrheit der Vereinten Nationen.

 

Vgl.: International Campaign to Abolish Nuclear weapons ICAN Deutschland: Atomwaffeneinsatz wird wahrscheinlicher, Pressemitteilung vom 02.02.2018

 

Vgl.: International Campaign to Abolish Nuclear weapons ICAN Deutschland: Abschreckungspolitik treibt Welt an den Abgrund, Pressemitteilung vom 15.02.2018

 

[xx] ENZYKLIKA LAUDATO SI’ von Papst Franziskus über die Sorge für das gemeinsame Haus vom 24.05.2015, Vatikan, 2015, Kapitel VI, 56-57

 

[xxi] Franz Alt: Was Jesus wirklich gesagt hat, Gütersloh, 2015, Seite 52

 

[xxii] Vgl.: Priscillianus: Tractatus X (Priscilliani Tractatus ad Populum II); in: Marco Conti: Priscillian of Avila: The Complete Works, a.a.O., Seite 144ff und Seite 296ff

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