Urwälder in Asturien

 

Die Entwicklung der Waldlandschaften im Gebiet des heutigen Asturien lässt sich bis in die Zeit der Urwälder vor 150 Millionen Jahren zurückverfolgen. An der zum Meer hin steil abfallenden Küste bei Oles in Villaviciosa schält die Brandung die fossilen Reste eines Urwaldes aus dem Gestein. Imposante jurassische Urbäume stehen hier aufrecht an der Steilwand, zum Teil sogar mit ihren versteinerten Wurzeln. Dinosaurier talpten vor 150 Millionen Jahren durch den Urwald und fraßen die Blätter der urzeitlichen Bäume.

 

Zur Zeit der Dinosaurier lebten auch die Vorfahren der heutigen Eiben. Schon vor 200 Millionen Jahren war der triassische Vorläufer der Eibe weit verbreitet. Vor 150 Millionen Jahren entwickelte sich dann die heute lebende Gattung Taxus. Die Eibe gilt als die älteste Baumart Europas.

 

Vor 65 bis 25 Millionen Jahren befand sich das heutige Asturien näher am Äquator. Das Klima war wärmer. Immergrüne tropische und subtropische Urwälder bedeckten das Land. Lorbeergewächse mit dunkelgrünen, ledrigen, glänzenden Blättern waren verbreitet. Aus dieser Urzeit konnten sich einige Arten bis heute halten und anpassen: Lorbeer, Erdbeerbaum, Breitblättrige Steinlinde, Stechpalme, Wurzelnder Kettenfarn (Woodwardia radicans), Cucita-Baumfarn (Culcita macrocarpa), Raue Stechwinde (Smilax aspera), Efeu (Hedera helix), Heckenkirsche (Lonicera spp.), Gemeine Schmerwurz (Tamus communis), Blut-Johanniskraut (Hypericum androsaemum), Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis), Rotfrüchtige Zaunrübe (Bryonia dioica) und die Urarten der Buschwindröschen (Anemona nemorosa).

 

In den subtropischen Urwäldern waren auch bereits einige Baumarten oder deren Vorfahren beheimatet, die in den späteren kühleren Klimaperioden gute Bedingungen vorfanden, zum Beispiel: Birke, Weide, Berg-Ahorn, Eiche, Buche, Linde, Waldkiefer und Eibe. Die Europäische Eibe (Taxus baccata) entstand vor 15 Millionen Jahren. 

 

Vor 5 bis 3 Millionen Jahren waren die immergrünen Lorbeerwälder bereits deutlich angereichert mit Laubbäumen. Als sich aufgrund veränderter Meeresströme vor 3,2 Millionen Jahren wieder ein milderes Klima entwickelte, da hatten auch die mediterranen Baumarten wie Steineiche und Olivenbaum gute Entwicklungsbedingungen, auch Feigen und Weinreben.


Als dann vor 1,7 Millionen Jahren die Perioden der Eiszeiten begannen, deren letzte Kaltzeit vor etwa 11.000 Jahren endete, da waren die Bäume auf die letzten eisfreien Refugien angewiesen, zum Beispiel Buchen, Ulmen, Linden, Walnuss, Kastanienbäume und die Bäume der Auenwälder sowie die Überlebenden aus den urzeitlichen subtropischen Urwäldern – sie alle waren während den Eiszeiten auf eine Art „Arche Noah“ angewiesen, auf eine eisfreie ökologische Nische.

 

Nach der letzten Eiszeit bereiteten zunächst Pionierarten wie Waldkiefer, Birke, Weide, Vogelbeerbaum und Eingriffeliger Weißdorn das Land. In 12.000 Jahre alten Erdschichten des Muniellos-Waldes wurde ein Anteil der Waldkiefer von über 50% ermittelt. Reste eines Jahrtausende alten Waldkiefernbestandes sind im Wald Pinar de Lillo, León (pdf) erhalten.

 

Von den Arche Noahs der Eiszeit aus verbreitete sich die Waldflora von Neuem. Der meeresnahe Streifen im Norden der Iberischen Halbinsel war eine solche Arche Noah. Insbesondere einige der Schluchten und Flussniederungen in Asturien und die Waldlandschaften zwischen dem Meer und den Gebirgszügen der Sierra del Cuera und der Sierra del Sueve waren Rückzugsgebiete des Lebens und Ursprungsorte für das Wiederaufblühen der Lebensvielfalt nach der letzten Eiszeit.

 

Noch gibt es einige letzte Reste der einstigen Waldbestände. Die letzten Auenwälder gehören dazu. Und ein einzigartiges Relikt gehört ebenso dazu: Der Eibenwald des Monte Sueve, ein Mischwald mit einem hohen Anteil an Eiben (Taxus baccata). Der Eibenwald des Monte Sueve ist heute der größte Wald seiner Art auf der Iberischen Halbinsel, mit einem der ältesten Eibenbestände Europas. 

 

Uralte Eiben gehören zu den ältesten Lebewesen der Erde. Heute wissen wir: Alte Eiben sind intelligente und fühlende Wesen. Eibenwälder und Auenwälder sind lebendige, komplex vernetzte Organismen. Pilzfäden durchweben den Boden und leiten Signale weiter. Ein einziger Pilz kann sich Quadratkilometer weit ausdehnen und ganze Wälder vernetzen.

 

Pflanzliche Intelligenz und pflanzliche Emotionen sind heute messbar. Die gehirnähnlichen Strukturen der Wurzelspitzen der Bäume senden und empfangen elektrische Signale. Bäume kommunizieren elektrisch, geruchlich und optisch. Sie hören und sprechen auf ihre Weise. Bäume haben auch ein Gedächtnis. Noch zu selten werden diese menschlichen Begriffe auf die Welt der Tiere und Pflanzen übertragen. Es könnte ja Empathie entstehen und kurzsichtige Interessen einiger Trockennasenprimaten, die sich selbst als „Homo sapiens“ bezeichnen, könnten tangiert sein – Primaten, die alle anderen Lebewesen als Sache anzusehen sich erdreistet haben. Sie zerstören die letzten Wälder und nur wenige uralte Eiben haben bisher noch überlebt. Eine Wertschätzung der ältesten Lebewesen des Planeten ist vielen Menschen immer noch fremd.

 

Doch vielleicht könnten Regelungen wie in der schweizerischen Bundesverfassung Schule machen und zu einem veränderten Denken und Handeln beitragen, dass nämlich „… im Umgang mit Tieren, Pflanzen und anderen Organismen der Würde der Kreatur Rechnung zu tragen ist“. Es wäre ein Verwandtenschutzprogramm, denn: Wir sind mit allen Tieren und Pflanzen verwandt. Unsere gemeinsamen Vorfahren lebten vor etwas mehr als einer Milliarde Jahren: die Eukaryonten. Unsere gemeinsame Mutter ist die Erde. 

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