Covadonga - Die Felsengrotte des Río Diva

Die Felsengrotte
Covadonga ist ein Wallfahrtsort im Nationalpark Picos de Europa. Von Covadonga aus eröffnet sich der Blick in das Tal des Río Sella. Auf der anderen Seite des Tales erhebt sich majestätisch das Bergmassiv der Sierra del Sueve.

Covadonga ist das asturianische Hauptheiligtum und steht in der Tradition der Marienverehrung. Eine natürliche Felsenhöhle in malerischer Lage ist das Ziel der Pilger und Pilgerinnen. Die in den Fels gebaute Kapelle thront über den kleinen Wasserfällen des Río Diva. In der Felsengrotte ist eine Heiligenfigur "La Virgen de Covadonga" aufbewahrt. Die Heiligenfigur trägt das Christuskind im Arm und hebt eine rote Rose empor.

Unterhalb der Kapelle ergießt sich der Río Diva in einen kleinen glasklaren Teich. An manchen Tagen ist das Wasser still und seicht. Es wirkt dann wie ein Spiegel, in dem der Betrachter sich selbst erkennt. In der Tiefe funkeln Münzen, die als Opfergabe von den Besuchern ins Wasser geworfen werden. Ein Teil des Río Diva ergießt sich in einen Brunnen, der in der lokalen traditionellen Überlieferung als "Glücksbrunnen" gilt.

In früheren Zeiten war der Abgrund der Felswand, von der Felsengrotte bis hinunter zum Glücksbrunnen, noch tiefer, bevor er sich mit Sedimenten füllte und den heutigen Teich bildete. Das frische Wasser des Río Diva ergoss sich aus vielen Öffnungen in die Tiefe hinab. Heute ist der Río Diva gezähmt. Einige Öffnungen wurden verschlossen, um den Zugang zu diesem Ort zu erleichtern. Die Wassermenge des Río Diva ist jahreszeitlich bedingt sehr unterschiedlich. Das Wasser wird gespeist aus den Tiefen des Berges "Monte Auseva", dem Höhlensystem der "Cueva de Orandi".

Dem Wasser des Río Diva wird der Überlieferung nach eine heilende und die Kraft der Liebe stärkende Wirkung zugeschrieben. In den Lobpreisungen der "Virgen de Covadonga" sind die wiederkehrenden Attribute: Güte, Anmut, Herzlichkeit, Lebenskraft und Lebensquell.

Der Ursprung von Covadonga reicht zurück in vorchristliche Zeit. Darauf weisen örtliche Legenden hin und auch die Namensgebung der Felsengrotte, des Flusses und einiger umliegender Orte. Unverkennbar sind Parallelen zur mythologischen Hauptfigur Asturiens: "La Xana". Dies ist eine Frauengestalt, die zumeist im Zusammenhang mit örtlichen Legenden erwähnt wird, bei denen Quellen und Höhlen eine wichtige Rolle spielen.

Die Legende von Covadonga
Es ranken sich viele Legenden, vermischt mit historischen Fakten, um diesen einzigartigen Ort. Im Jahre 718 kam demnach der westgotische Adlige Pelayo zur Höhle in Covadonga. Er verfolgte einen Mann, der ein Verbrechen begangen haben soll und der in einer Höhle Zuflucht gefunden hatte. Als Pelayo sich der Höhle näherte, wurde er von einem alten Einsiedler zurückgehalten, der hier lebte und sich seit Jahren der Kontemplation widmete.

Der Eremit begegnete Pelayo mit offenem Herzen und lud ihn ein, den heiligen Ort zu betreten, doch er müsse von seinem Ansinnen ablassen und dem Verfolgten vergeben. Die Höhle von Covadonga sei ein Ort der Zuflucht, seit Urzeiten geweiht der Mutter aller Engel. Wer hierher finde, der stehe unter dem Schutz der heiligen Mutter Gottes. Alles Leid, alle Angst, alle Bedrängnis würden von ihm genommen.

Pelayo war zutiefst bewegt von den Worten des Eremiten und von der besonderen Kraft dieses außergewöhnlichen Ortes. Er verzieh dem Verfolgten und begab sich in den Schutz und die Kraft der Mutter Gottes. Im Inneren der Höhle fand sich ein sehr altes Bildnis der Mutter Gottes. Niemand weiß, seit welcher Zeit es schon in dieser weit abgelegenen Höhle aufbewahrt wurde und wer es hierher gebracht hatte.

Der Eremit wurde entrückt und von einer Zukunftsvision erfasst. Er prophezeite Pelayo, dass durch ihn der Geist des Evangeliums wieder mit neuer Kraft erfüllt würde. Eines Tages würde er Zuflucht finden in dieser Höhle. Das Kreuz werde ihn führen und unter dem Schutz der Mutter Gottes werde er große Heldentaten vollbringen. Der Eremit gab Pelayo ein Kreuz aus Eichenholz mit auf seine Reise.

Das schroffe und unwegsame Bergland der kantabrischen Kordilleren war das letzte noch nicht von den Mauren eroberte Gebiet der iberischen Halbinsel. Im Jahre 722 stoppte Pelayo mit einem kleinen Heer die von Süden anrückenden Mauren bei Covadonga. Die Reconquista, die Wiedereroberung Spaniens, und damit die Zurückdrängung der Mauren, nahm hier ihren symbolischen Anfang.

Pelayo wurde zum Helden und ersten König von Asturien. Seine Gebeine sind in der Höhle von Covadonga aufbewahrt. Das Eichenkreuz wurde zum Symbol Asturiens - la Cruz de la Victoria. Pelayos legendäres Kreuz wurde reichhaltig mit Edelsteinen und Bergkristallen verziert. Für die Aufbewahrung des Kreuzes errichtete Pelayos Sohn, König Favila I, im Jahre 737 eigens eine Kapelle im nahegelegenen Cangas de Onis. Diese Capilla de la Ermita de Santa Cruz wurde auf einem imposanten Dolmen errichtet. Der reich verzierte Dolmen aus einer Zeit vor etwa 5.000 Jahren weist eine Mischung von bildhaften und abstrakten Darstellungen und geometrischen Figuren auf. Der Dolmen ist heute unter dem Boden der Kapelle zu besichtigen. Cangas de Onis wurde zur ersten Hauptstadt Asturiens.

Asturien ist seit Pelayo die Wiege des spanischen Königreiches. Das spanische Königreich dehnte sich von Asturien aus auf die spanische Halbinsel aus. Die jeweiligen Thronfolger des spanischen Königshauses durften den Titel Prinz von Asturien tragen.

 Linktipp:

Die Könige des Köingreiches Asturien

Die herzerfüllende Kraft
Die heutigen Pilger und Pilgerinnen bringen in Covadonga ihre Sorgen und Ängste vor das Angesicht der "Virgen de Covadonga", der Jungfrau von Covadonga. Die Stufen bis hinauf zur Felsengrotte steigen einige der Ankommenden auf Knien empor. Sie berichten immer wieder, dass in Covadonga ihre Leiden und Sorgen eine Verwandlung erfahren. Eine "weiche, herzerfüllende liebliche Kraft" nimmt demnach ihre Lasten auf und verwandelt sie in neuen Lebensmut. Das Wasser des Lebens wird hier reichlich ausgeschenkt, gerade so, als ob der Wandel vom finstern Tal zur grünen Au (vgl. Bibel, Psalm 23) in Covadonga spürbar wird.

Die Marienverehrungen in aller Welt empfangen immer wieder neuen Antrieb durch sog. Marienerscheinungen an besonderen Orten. Lourdes ist einer der bekanntesten Orte, wo 1858 das Mädchen Bernadette von einer Marienerscheinung berichtete. Noch bedeutungsvoller wurde später Fatima in Portugal, wo Maria 1917 von drei Bauernkindern gesehen worden sein soll. Solche von einzelnen Menschen subjektiv erlebten Erscheinungen sind manchmal verbunden mit Offenbarungen, die direkt an die beteiligten Personen gerichtet sind, und in der Regel nur für diese wahrnehmbar. In der Tradition der bedeutendsten europäischen Marien-Wallfahrtsorte steht auch Covadonga. Hier ist die erste Marienerscheinung aus dem 8. Jahrhundert als "Legende von Covadonga" überliefert (s.o.).

Von der Mystikerin Teresa von Avila, Patronin von Spanien, wird berichtet, dass sie im Alter von zwölf Jahren ihr Herz der Gottesmutter Maria widmete. Sie nutzte die Covadonga prägende Symbolkraft von Wasser und Quelle, um ihre Gotteserfahrung, die "mystische Vermählung" zu beschreiben: "Hier jedoch ist es, wie wenn Wasser vom Himmel in einen Fluss oder in eine Quelle fällt, wo alles nichts als Wasser ist, so dass man weder teilen noch sondern kann, was nun das Wasser des Flusses ist und das Wasser, das vom Himmel gefallen."

Wenn Teresa von Avila über die "Wonnen Gottes" redete, dann beschrieb sie diese Wonnen symbolhaft mit Hilfe des Brunnens der Glückseligkeit, dem das Wasser unmittelbar vom Quellort zuströmt, es quillt friedvoll und mit größter Ruhe und Sanftheit aus dem tiefsten Inneren. "Dieses Wasser läuft über und durchströmt alle Wohnungen und Seelenkräfte, bis es zum Körper gelangt. Darum sagte ich, dass es in Gott beginnt und in uns endet; denn wirklich, der ganze äußere Mensch genießt dieses Wohlgefühl und diese Sanftheit, wie derjenige wissen wird, der es erfahren hat." (vgl. Teresa von Avila; Die innere Burg, S. 15 u. 68)

Die mystische Bedeutung der Jungfrau Maria bezieht sich auf einen inneren Prozess in jedem Menschen und in jedem Augenblick: "Jungfrau besagt so viel wie ein Mensch, der von allen fremden Bildern ledig ist, so ledig, wie er war, da er noch nicht war...Dass der Mensch Gott in sich empfängt, das ist gut, und in dieser Empfänglichkeit ist er Jungfrau." (vgl. Meister Eckehart; Predigten und Traktate, Predigt 2, Herausgegeben und übersetzt von Josef Quint)

Reisetipps
Die Anfahrt erfolgt über Cangas de Onis. Von dort sind es ca. 7 km bis Covadonga. Ab Cangas de Onis besteht die Möglichkeit, einen Taxi-Shuttle-Service in Anspruch zu nehmen. Auch Busse verkehren regelmäßig. Die Pilgerstrecke für Fußgänger ist ausgeschildert. Wenn Sie mit dem Auto anreisen, dann ist es empfehlenswert, das Auto auf den Parkplätzen unterhalb der Felsengrotte abzustellen und die letzten paar hundert Meter auf dem Pilgerpfad zu Fuß zurückzulegen, sofern Ihnen das möglich ist.

Covadonga ist ein Ort des Gebets. Ein Besuch sollte früh am Morgen erfolgen. Wenn etwas später das geschäftige Treiben der Souvenirläden beginnt und die Reisebusse sowie die unzähligen Autos vorfahren, dann entsteht eine Atmosphäre des lebensfrohen Treibens. Alljährlich am 8. September feiert der Ort das Fest der Virgen de Covadonga, zusammen mit dem Día de Asturias, dem zentralen Feiertag des Fürstentums Asturien.

In der Nähe der Felsengrotte wurde eine Kathedrale errichtet, die Basílica von Covadonga. Die Kathedrale und das angrenzende Museum sind einen Besuch wert.

Ein Besuch der Felsengrotte kann verbunden werden mit einer Tagestour durch die Bergwelt der Picos de Europa. Von Covadonga aus sind es ca. 7 km bis hinauf zu den Bergseen von Covadonga. Die Seen werden auch die "Tränen der Jungfrau von Covadonga" genannt. Diese eindrucksvoll gelegenen Bergseen in über eintausend Meter Höhe sind Ausgangspunkt für Exkursionen im Hochgebirge des Nationalparks.

 

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